Die Farm (A Painted House)

(Dell 2001, 465 Seiten, 0-440-29591-2)

Wenn Grisham weiterhin so gute, ruhige Romane schreibt möchte ich eigentlich gar keine rasanten Gerichtsthriller von ihm mehr lesen.

1952 ist Luke Chandler sieben Jahre alt. Er lebt mit seinen Eltern und Großeltern auf einer Baumwollfarm im US-Amerikanischen Süden. Für ihn besteht das Leben aus Farmarbeit, Schule und den Baseballsaison, deren Spiele er jede Woche im Radio hört. Die Ernte steht wieder bevor und diesmal will Luke auch selber mitarbeiten, um sich mit dem Geld einen Traum zu erfüllen: eine Baseballjacke. Als er mit seinem Großvater in die Stadt fährt, um Erntearbeiter zu rekrutieren treffen sie auf die Spruills, die aus den Bergen gekommen sind und arbeit suchen. Außerdem engagieren sie noch eine Gruppe Mexikaner. Während die Spruills ein Zeltlager im Vorgarten der Chandlers einrichten werden die Mexikaner in einer umgebauten Scheune einquartiert. Nach wenigen Wochen Ernte beobachtet Luke, wie der älteste Sohn der Spruills in einem Kampf einen einheimischen tötet. Da er jedoch Angst vor einer Strafe hat – er sollte sich von Kämpfen fernhalten – behauptet er, nichts gesehen zu haben. Dies ist jedoch nur das erste der vielen Geheimnisse die nun Lukes heile Welt überfluten und sie für immer verändern.

Keine Anwälte? Keine Intrigen? Das soll ein Grisham sein? Ja, und was für einer! A Painted House ist Grishams erster Roman in dem nicht ein Anwalt die Hauptrolle spielt, sondern ein kleiner siebenjähriger Junge. Auch gibt es diesmal keine großangelegte Verschwörung oder aufsehenerregenden Gerichtsprozess, sondern „nur“ eine von vielen Baumwollernten in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Aber wie Grisham diese Geschichte erzählt ist beeindruckend. Von der ersten Seite an nimmt die Atmosphäre den Leser gefangen und lässt ihn nicht wieder los. Treffsicher beschreibt der Autor die harte, aber irgendwie ruhige und idyllische, Welt der Baumwollfarmer aus der Sicht des kleinen Jungen. Dabei lässt er dem Leser genügend Zeit, sich in seine Welt einzutauchen, bevor er mit der eigentlichen Handlung beginnt. Auch diese Handlung ist eigentlich nicht rasant, aber so intensiv und detailliert beschrieben, dass man jede Bewegung vor seinem inneren Auge ablaufen sieht. In manchen Szenen schafft es Grisham sogar, den Leser die selbe Luft atmen zu lassen wie auch Luke. Man spürt förmlich die heiße, trockene Luft der Sommernächte in den Südstaaten. Man merkt, dass Grisham hier seine eigenen Kindheitserinnerungen einflicht. Anders ist sein Gespür für Atmosphäre kaum zu erklären. Auch seine Charakterisierungen sind brillant und er lässt sich für jeden Charakter Zeit um ihn ausführlich dem Leser vorzustellen – natürlich ohne ellenlange Beschreibungen.

Es scheint, als habe John Grisham seinen Stilwechsel nun abgeschlossen. Waren schon The Street Lawyer, The Testament, The Partner und The Brethren keine reinen Gerichtsthriller mehr so hat er diesen mit A Painted House endgültig den Rücken gekehrt.

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