(Fast) geniale Satire auf das Genre der Zeitreiseromane und das viktorianische Zeitalter

Mitte des 21. Jahrhunderts ist die Zeitreise erfunden, und über das „Netz“können Historiker durch die Weltgeschichte reisen. Für die Finanzierung der Forschung ist jedoch viel Geld nötig, dass von privaten Investoren kommen muss. Diesen Umstand macht sich Lady Schrapnell zunutze. Sie will unter anderem die alte Kathedrale von Coventry, die im zweiten Weltkrieg zerstört wurde, originalgetreu wieder aufbauen. Dabei legt sie besonderen Wert auf „des Bischofs Vogeltränke“, ein Kunstwerk, dass eine ihrer Urahnen tief beeindruckt haben soll. Allerdings kommt es, wie es kommen muss und eine Historikerin verändert den Lauf der Geschichte, indem sie eine Katze aus dem Jahr 1888 mit in die Zukunft bringt. Eigentlich soll es nicht möglich sein, Dinge aus der Vergangenheit mit durch das Netz zu nehmen, jedoch kam diese Katze durch das Netz. Nun wird Ned Henry zurück in das Jahr 1888 geschickt, um die Katze zurückzubringen, bevor ihr Verschwinden Konsequenzen hat. Das er aber aufgrund fortgeschrittener Zeitkrankheit seinen Auftrag vergisst, strandet er in der Vergangenheit, ohne sich seiner Aufgabe zu erinnern. Nun beginnt eine wahnwitzige Odyssee durch das viktorianische England. Diese beginnt mit einer Bootsfahrt auf der Themse und führt später bis ins tiefe Mittelalter.

Die obige Inhaltsangabe beschreibt eigentlich nur die Vorgeschichte um die eigentliche Handlung, die Ned Henrys Odyssee im viktorianischen England beschreibt. Dabei fängt die Autorin die Atmosphäre gekonnt ein und lässt Ned mit vielen skurrilen Charakteren zusammen treffen. Als erstes natürlich der blanke Oxforder Student Terence mit seinem Dobermann Cyril und seinem verwirrten, in Zitaten sprechenden Tutor und Professor Peddick. Dabei entsteht dem Leser ein sehr sympathisches, aber auch sehr konfuses, Bild von dem England, wie Willis es sich vorstellt. Sei es die traditionsbewusste Ms. Mering, oder ihr spleeniger Ehemann, alle Charaktere wirken, als seien sie einem Kuriositätenkabinett entsprungen. Auch als Zeitreiseroman kann Farben der Zeit überzeugen. Dabei nimmt sich die Autorin in sehr amüsanter Weise dem Problem des Zeitreiseparadoxons an und bietet eine sehr interessante Lösung dafür an, indem sie das System sich selber korrigieren lässt. Natürlich ist auch dieses Konstrukt nicht wasserdicht, aber der Roman ist auch eher als Satire auf das Genre zu verstehen, als ein ernsthafter Versuch, Zeitreisen glaubwürdig erscheinen zu lassen. Was Die Farben der Zeit allerdings eindeutig fehlt ist die Spannung, so ist über den ganzen Verlauf des Romans eigentlich kein Spannungsbogen zu erkennen, sondern er scheint eher aus einer Aneinanderreihung von skurrilen Szenen zu bestehen.

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