Ein Aerostat brummte in der Ferne, umtanzt von winzigen Punkten, geflügelten Gestalten, die sich in seinem Kielwasser tummelten, wie Defline um einen Wal, während im Vordergrund ein weiterer Zug dahinschoss - unterwegs in das Zentrum von New Crobuzon, den Knoten architektonischen Gewebes, wo die Lebensadern der Stadt sich verknüpften, wo die Gleistrossen der Miliz von dem Spike ausgehend sternförmig ihr Netz spannten, und die fünf großen Bahnlinien der Stadtan ihrem Dreh- und Angelpunkt zusammenliefen, dem düster gescheckten Bollwerk aus rußgeschwärztem Backsteinund rauem Beton und Holz und Stahl und Stein, dem mit vielen Mäulern gähnenden Kolossalbau im vulgären Herzen der Stadt: Perdido Street Station.

  • Irgendwo zwischen Steampunk, Biopunk und klassischer Science-Fiction
  • Beeindruckende und bedrückende Welt
  • Langsame Handlung und blasse Figuren

New Crobuzon ist sicherlich keine Stadt, in der ich gerne leben würde: Hier leben knapp 100 Millionen Einwohner in einem historisch gewachsenen Moloch. Die Menschen teilen sich die Stadt mit zahlreichen anderen Völkern, wie den Kaktusmenschen oder den käferartigen Kephri, deren Weibchen einen menschlichen Körper besitzen, aber anstelle des Kopfes einen Käferleib. Dann sind da auch noch die Remade, chirurgisch und thaumaturgisch veränderte Menschen, die entweder für eine bestimmte Aufgabe optimiert oder für Verbrechen grausam bestraft wurden.

Normalerweise fasse ich ja an dieser Stelle die Handlung des Romans zusammen und nicht seine Welt, aber in Die Falter gibt es nur einen Hauptdarsteller: New Crobuzon. So spannend und faszinierend diese Stadt ist, vernachlässigt Miéville vor lauter Beschreibungen und atmosphärischer Ausführungen die Handlung und die Charaktere sträflich. Während der Moloch und die steampunk-inspirierte Welt den Leser fesseln können, schleppt sich die Handlung langsam vor sich hin und gewinnt erst gegen Ende der gut 550 Seiten an Spannung, die sich dann jedoch nicht in einem großen Showdown entladen kann.

Dies liegt in erster Linie daran, dass Die Falter lediglich der erste Teil des Romans Perdido Street Station ist, der in der deutschen Übersetzung zweigeteilt wurde und erst mit Der Weber seinen Abschluss findet. Aber wer ein halbes Buch veröffentlicht, sollte sich nicht beschweren, wenn es dann auch als solches bewertet wird. Dem Autor bleibt jedoch in meinen Augen immer noch vorzuwerfen, dass er sich zu viele Gedanken um seine Welt und zu wenige um die Handlung und seine Figuren gemacht hat. Auch die Sprache ist in der Übersetzung sehr verschwurbelt und nicht immer einfach zu lesen, ich weiß aber nicht, ob das für die englische Version genauso gilt. Schade, diese Welt hätte mehr verdient gehabt.

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Bisher ein Kommentar zu Die Falter von China Miéville

  1. Lies es auf englisch. Ist zwar auch nicht immer leicht, da bricht wohl der Literaturprof bei China Mieville durch, aber zumindest ist die Handlung vollständig. Da sich die Handlung mehrheitlich auf die Mechanismen der Stadt bzw. der Kultur stützt, ist es doch verzeihbar, dass die Charaktere etwas blass bleiben.

    Es ist definitiv keine Tolkiensch Schwarz-Weiss-Welt sondern ein sehr sattes grau. Habe auch die nachfolgenden Bücher mit Begeisterung gelesen (im englischen Orginal)

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