Etwas verworrener, brutaler und sehr spannender literarischer Mysterythriller.

Worte sind mächtig. Sie können Imperien zum Zusammenbruch führen und Herrscher stürzen, sie können Liebe und Verzweiflung auslösen und sie verändern die Welt. Noch mächtiger werden Worte, wenn sie von einer der dreizehn Damen ausgesprochen werden. Dann können sie körperliche Wunden schlagen, das Gedächtnis löschen oder gar töten. Diese dreizehn Damen sind es, die seit Jahrhunderten Schriftstellern ihre Inspiration einflüstern, in der Hoffnung, dass diese Verse produzieren, die als mächtige Zaubersprüche verwendet werden können.

Jedoch sind die Damen keineswegs eine harmonische Gemeinschaft, sondern ihr Zusammenleben ist geprägt von internen Konflikten und Kleinkriegen. Inmitten eines dieser Scharmützel findet sich Salomón Rulfo wieder. Er wird zu einem Spielball von Kräften, die er nicht versteht und die ihn durch ein wahnwitziges Abenteuer treiben, in dem (Alb-)Traum und Wirklichkeit zu nah beieinander liegen.

Dass Somoza eine Vorliebe für verschachtelte und mystische Geschichten hat, in denen Phantasie und Wirklichkeit kunstvoll ineinander verwoben sind, weiß ich ja bereits seit Das Rätsel des Philosophen. Und genau wie Das Rätsel des Philosophen ist auch Die dreizehnte Dame äußerst komplex zu lesen. Zwar gibt es diesmal nur eine Geschichte und keine verschiedenen Handlungsebenen, dafür fließen Wahn und Wahrheit nahtlos ineinander und lassen sich vom Leser kaum noch entwirren. Als dann der (vermeintliche) Wahn zu einer weiteren realen Handlungsebene wird, gewinnt die Verwirrung endgültig die Oberhand.

Dabei ist Die dreizehnte Dame äußerst spannend. Trotz der Komplexität kann man sich als Leser schnell mit der Hauptfigur identifizieren und da die ersten Seiten noch relativ leicht zu lesen sind, taucht man auch schnell in die Handlung ein. Diese Entwickelt sich dann aber bald zu einer grausamen Tour de Force durch Literatur, Zauberei und Gewalt, in der der Überblick etwas verloren geht.

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