Der Verrat (The Street Lawyer)

(Arrow Books 1998, 358 Seiten, 0-09-92-4492-6)

Insgesamt ein guter Grisham, der mir wesentlich besser gefällt als "Die Firma"oder "Der Klient", da er nur wenig auf vordergründige Action setzt, sondern nachdenklich stimmt und gute Unterhaltung bietet. Jedoch nicht ganz so gut wie "Die Jury"oder "Das Urteil".

Michael Brock ist ein aufstrebender Anwalt der Kanzlei Drake & Sweeney. Er ist auf der Schnellstraße in Richtung Partnerschaft, bis zu der Begegnung mit „Misterquot;. quot;Misterquot;kommt eines Tages in die Kanzlei und nimmt 9 Anwälte als Geiseln. Er stellt keine Forderungen sondern hält den Anwälten nur ihren Reichtum vor, und beschuldigt sie den Obdachlosen nicht zu helfen. Er weist ihnen dieses sogar anhand ihrer Steuererklärungen nach. Als er das von einer Obdachlosenküche bestellte Essen, Suppe und Brot, abholen will wird er aus einem Hinterhalt erschossen. Michael bekommt dabei eine Menge Blut des Toten ins Gesicht. Als er sich daraufhin für die Obdachlosen zu interessieren beginnt trifft er auf Mordecai Green, der in einer Gruppe mit Anwälten arbeitet, die die Obdachlosen kostenlos vertreten. Green führt ihn in die Welt der Obdachlosen ein. Bei seiner Arbeit in einer Obdachlosenküche lernt er eine Mutter mit ihren vier Kindern kennen und will ihnen am nächsten Tag einige Sachen zu Essen, Kleidung und Spielzeuge kaufen. Doch er kann die Mutter nicht mehr finden. Am nächsten Tag liest er von dem Tod der Familie in der Zeitung. Als er durch eine anonyme Quelle erfährt, dass seine Firma mitverantwortlich dafür ist, das die Familie auf der Straße lebte kann er in seiner Firma nicht mehr weiter arbeiten und schließt sich der Gruppe um Mordecai Green an. Seine Frau schmeisst ihn aus dem Haus und er zieht in eine kleine 2-Zimmer Wohnung in einem ärmlichen Washingtoner Vorort. Er versucht aber weiterhin die Geschehnisse rund um das Lagerhaus, in dem die Familie lebte aufzudecken. Deswegen nimmt er eine Akte aus dem Schranke eines Partners um sie zu kopieren. Jedoch wird er in einen Autounfall verwickelt und kann die Akte deshalb nicht zurückbringen. Daraufhin wird er von der Firma als Dieb verfolgt. Es folgen zwei Hausdurchsuchungen und eine Festnahme. Aus der Akte erfährt er, dass Drake & Sweeney das Lagerhaus, in dem die Familie und noch 15 weitere Obdachlose wohnten, räumen ließ, obwohl die Meschen die darin lebten an den Eigentümer Miete zahlten. Er versucht nun neben seinem alltäglichen Geschäft als Obdachlosenanwalt auch noch seine Firma zu verklagen.

Für seinen neuesten Roman (in Deutschland) hat sich John Grisham eine ungewöhnliche Szenerie ausgesucht. Der Roman spielt im Obdachlosenmilieu von Washington D.C. Dies ist besonders dann ungewöhnlich, wenn man bedenkt, daß Grisham seine Bücher bisher eher in der gehobenen Anwaltsschicht Amerikas spielen ließ. Doch wie in „Die Firma“ wendet sich hier ein aufstrebender Junganwalt gegen seine Kanzlei und deckt ein Komplott auf. Auch insgesamt hat mich das Buch von seiner Story an die Firma erinnert, wobei in dem neuesten Werk die Dimensionen etwas heruntergesetzt wurden. So geht es nicht um eine Mafiafamilie, sondern „nur“um die unrechtmäßige Räumung eines von Obdachlosen bewohnten Lagerhauses und dem Anwalt droht nicht der Tod, sondern eine Haftstrafe wegen Diebstahls. Grisham gelingt es in seinem Roman die Situation der Obdachlosen ergreifend zu schildern, es gelingt ihm den Leser mit seinem Schreibstil zu fesseln. Diese Schilderungen machen einen großen Teil des Buches aus. Ungewohnterweise peitscht Grisham die Handlung nicht vorwärts, sondern läßt sie sich ganz langsam entwickeln, so dass die Verhandlung zwischen Michael und seiner Firma nur ca.35 Seiten einnimmt. Jedoch tut das der Qualität des Buches keinen Abbruch. Denn auch die Charaktere wirken realistisch und sind gut und lebendig geschildert, wobei gut und böse aber auch klar differenziert sind. Lediglich der entscheidende Wandel im Leben von Michael Brock scheint für mich doch etwas zu plötzlich zu kommen und wirkt auf den ersten Blick übertrieben. Hier hätte ein etwas größerer innerer Zwiespalt die Story realistischer erscheinen lassen können.

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