Der Medicus (The Physician)

, Teil 1

(Goldmann 1997, 691 Seiten, 3-442-43768-7)

Eine spannende Handlung und glaubwürdige Charaktere in einer unglaublich gut recherchierten und farbenprächtigen historischen Welt.

Im London des 11 Jahrhunderts lebt der junge Rob Cole zusammen mit seinen Eltern und seinen drei Geschwistern in einem kleinen, ärmlichen Haus. Sein Vater ist Zimmermann und schafft es so, die Familie zu ernähren. Doch bei der Geburt ihres fünften Kindes stirbt seine Mutter und auch sein Vater stirbt kurz darauf. Nach dem Tod seiner Eltern übernimmt der 11-jährige Rob kurzzeitig die Führung des Haushalts, doch die Zimmermannszunft nimmt sich der Waisenkinder an und sie werden an verschiedene Pflegeeltern abgegeben. Rob bleibt von ihnen als letzter übrig und es sieht nicht so aus, als würde sich jemand für ihn interessieren. Doch da kommt ein fahrender Bader nach London, der einen Lehrling sucht, und er bietet Rob an, ihn aufzunehmen und auszubilden. In den folgenden Jahren voller harter Arbeit erweist sich Rob als gelehriger Schüler und als der Bader stirbt erbt er dessen Wagen. Rob entschließt sich jedoch, das sein Leben nicht als fahrender Bader, der zweifelhafte Tinkturen an unwissende Bauern verkauft zu verbringen, sondern er will ein Leben der richtigen Medizin widmen. Von einem Medicus hört er von der Ärzteschule im Persischen Isfahan und er beschließt, dort unter dem berühmten Arzt Ibn Sina zu studieren. Um nach Isfahan zu können, muss er sich allerdings als Jude verkleiden, da die Christen bei den Arabern verhasst sind. Als er nach einer langen und beschwerlichen Reise endlich in Persien ankommt gelingt es ihm jedoch zunächst nicht, in die Ärzteschule aufgenommen zu werden und er verbringt sogar eine brutale Nacht in polizeilicher Obhut. Da er es jedoch irgendwie schafft, den Schah auf sich aufmerksam zu machen, wird er auf dessen persönliche Intervention hin doch aufgenommen und kann nun die so ersehnte Ausbildung beginnen. Als er sich so langsam in Isfahan einlebt freundet er sich mit anderen Studenten an und verliebt sich in eine junge Schottin, die ihren Vater auf einer Handelsreise begleitet. Rob wird jedoch auch in politische Ränkespiele hineingezogen und muss den Schah sogar auf einem Feldzug nach Indien begleiten und in einer Persischen Stadt die Pest bekämpfen.

Der Medicus ist nicht zu unrecht einer der Klassiker unter den historischen Romanen. In seinem Epos über den jungen Rob Cole schafft es Noah Gordon meisterhaft, die Welt des Englands und des Arabiens des 11. Jahrhunderts zum Leben zu erwecken. Auch seine Figuren sind meisterhaft konstruiert und wirken zu jedem Zeitpunkt überaus glaubwürdig. Auch historisch scheint das Buch gut recherchiert zu sein und es bietet dem Leser einige tiefe Einblicke und Erkenntnisse über die mittelalterliche Wissenschaft, den Konflikt zwischen den Religion und den Alltag an verschiedenen Enden der damals bekannten Welt. Dabei bestechen besonders Gordons Beschreibungen des arabischen Isfahan durch treffende Formulierungen und eine unglaubliche Farbenpracht. Überhaupt fällt es dem Leser überhaupt nicht schwer, sich in den jungen Cole hineinzuversetzen und sein Leben in der fremden Welt nachzuvollziehen.

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