Der heiße Himmel um Mitternacht ist ein gutes und spannendes Buch, dem aber irgendwie die Zielstrebigkeit fehlt.

Farkas ist ein ganz besonderer Mensch. Da, wo bei anderen die Augen sitzen, hat er nur zugewachsene Höhlen und trotzdem ist er nicht blind. Er kann sich orientieren und bewegen wie jeder andere Mensch auch. Allerdings hat er ganz andere art wahrzunehmen, da er das Produkt pränataler genetischer Manipulationen ist. Paul Carpenter ist ein ganz „normaler“Mensch. Er arbeitet für einen der beiden weltbeherrschenden japanischen Großkonzerne und seine Aufgaben erstrecken sich über Wettervorhersagen bis hin zu Frachtschiffkapitän auf dem Pazifik. Das nötige Wissen erhält er in einer Art „Hypnoschulung“vor Antritt der jeweiligen Position. Beide leben auf einer Erde, die kurz vor dem finalen Kollaps steht. In den Städten ist ein Aufenthalt im Freien nicht mehr ohne Gasmaske möglich und ständig bedrohen neue Giftwolken, die über das Land ziehen die Menschen. Im Orbit der Erde gibt es mittlerweile einige Satellitenwelten, die geschlossene, kleine Mikrokosmen darstellen und politisch von der Erde unabhängig sind. Jeder der es sich leisten kann und eine Genehmigung bekommt, versucht dort ein neues Leben zu beginnen. Besonders attraktiv ist der Satellit Valparaiso in dem ein Diktator El Supremo herrscht. Auf dieser Welt finden all jene Unterschlupf, die auf der Erde verfolgt oder ausgestoßen sind. Deshalb ist diese Welt auch für die Erdenregierungen besonders interessant. Und so geraten Farkas und Carpenter in ein Spiel dessen Regeln sie nicht durchschauen, dass sie aber maßgeblich mit gestalten.

Wie in der Inhaltsangabe schon durchscheint ist die Handlung, die Silverberg auf den 476 Seiten seines Romans dem Leser präsentiert sehr umfangreich. Und hier liegt auch gleich die große Schwäche von Der heiße Himmel um Mitternacht: Silverberg weiß nicht, was sein Roman eigentlich sein soll: Charakterstudie, Dystopie oder Öko-Thriller. Für eine Charakterstudie sind zwei gleichberechtigte Hauptfiguren in einer derart komplexen Welt einfach zu viel und es gelingt Silverberg nicht, dem Leser beide so vertraut zu machen, wie es nötig wäre. Für eine Dystopie fehlen oftmals Atmosphäre und Dichte und für einen Thriller ist die Handlung nicht fesselnd und schnell genug. So pendelt Silverberg zwischen den Genres und schafft es einfach nicht, den Leser über längere Strecken mitzureißen und in seiner Welt gefangen zu nehmen. Dabei ist Der heiße Himmel um Mitternacht beileibe kein schlechtes Buch. Silverbergs Schreibe ist flüssig wie immer und die Ideen, die er dem Leser präsentiert sind glaubwürdig und oft sogar erschreckend, weil sie nur konsequente Fortführungen heute bereits existierender Tendenzen sind. Auch die Actionszenen sind durchaus solide und spannend, aber irgendwie fehlt dem Buch der große Bogen, das Gesamtbild. Oft wirkt es eher wie eine Aneinanderreihung von guten Einzelszenen, die durch eine gemeinsame Handlung verbunden sind, in sich aber unterschiedliche Intentionen haben.

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