Ganz ordentliche Autobiographie eines Ghostwriters, der sich in den Wirren seiner eigenen Geschichten verstrickt hat.

Schon im Kindergarten hat der kleine Petter eine rege Phantasie und denkt sich detailreiche Geschichten aus. In der Schule ist er ein Außenseiter, treibt aber einen regen Handel mit Hausaufgaben gegen Geld oder kleine und größere Gefälligkeiten. Später macht er sich dies zum Beruf und gründet ein, wie er es nennt, Autorenhilfswerk. Dessen Tätigkeit besteht darin, dass er Schriftstellern Handlungsrahmen oder komplette Geschichten verkauft, für die diese dann – gegen Gewinnbeteiligung, versteht sich – Ruhm und Ehre einstreichen. Geheimhaltung und Verschwiegenheit sind für ihn Ehrensache, und er betreibt eine perfektionierte Logistik, mit der er sicherstellt, sich immer im Hintergrund zu halten. Mit zunehmender Größe seines Unternehmens aber wird es zunehmend schwieriger, seine Kunden in Sicherheit zu wiegen, dass er sie nicht öffentlich bloßstellt. So verstrickt er sich immer mehr in seinen Geschichten, bis er sich schließlich zur Flucht gezwungen sieht.

Der Geschichtenverkäufer ist die Autobiographie eines Ghostwriters. Wenn auch die Hauptperson, Ich-Erzähler, durch seine Eitelkeit und Überheblichkeit wenig sympathisch wirkt, so ist seine Erzählung doch irgendwie schön zu lesen. Dass Gaarder gerne Geschichten in Geschichten versteckt, kennt man ja vielleicht schon aus Sofies Welt und Das Kartengeheimnis, und auch hier hat der Autor dies wieder schön hinbekommen. Zwischendurch gibt der Geschichtenverkäufer Kostproben seines Handelsguts, was die eigentliche Handlung immer schön unterbricht. Überhaupt finde ich die hier gewählte Erzählperspektive eines Ghostwriters auf der Flucht ziemlich interessant und hier auch gut umgesetzt. Allerdings wären mehr als die 272 Seiten hier wohl etwas langatmig geworden.

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