Überzeugender Einzelband in einer ungeheuer spannenden Welt und einem etwas eintönigen Zyklus.

Der Fall der Muschel ist bereits der vierte Band des Pelbar-Zyklus von Paul O. Williams. Der war mir bei einem Ausflug in das für Science-Fiction-Fans wirklich empfehlenswerte Hamburger Antiquariat Schwarz empfohlen worden und so habe ich ihn mir zu Weihnachten schenken lassen und mittlerweile vier der sieben Bände verschlungen. Es geht um ein Amerika tausend Jahre nach dem weltweiten Atomkrieg. Es haben sich verschiedenen Stämme gebildet, in denen sich vollkommen unterschiedliche Gesellschaftsstrukturen entwickelt haben und die fast alle miteinander im Krieg liegen. In jedem der bisherigen Romane geht es dann um einen männlichen Pelbar, der die Welt bereist und dabei auf andere Stämme trifft. Die Pelbar haben sich in drei Städten entlang des Heart-Flusses angesiedelt und ein strenges Matriarchat entwickelt, sodass Männer sich bei der Hochzeit ihrer Frau bedingungslos unterwerfen müssen.

Nachdem sich die ersten drei Bände mit dem Wandel in den Städten Nordwall und Pelbarigan beschäftigt haben, in denen durch den Kontakt zu anderen Stämmen ein Öffnungsprozess in Gang gesetzt wurde, geht es in Der Fall der Muschel um die konservativste der drei Städte Threerivers. Hier ziehen sich die Zwillinge Gamwyn und Brudoer den Unmut der Protektorin auf sich, sodass Brudoer im Kerker der sagenumwobenen Stadt schmachtet während Gamwyn sich auf die Suche nach einer besonderen Muschel, die das Vorbild für den Bau von Threerivers zu sein scheint.

Wie immer im Pelbar-Zyklus dreht sich auch Der Fall der Muschel um den Konflikt zwischen althergebrachten Routinen und Ritualen und einer Anpassung der Gesellschaft an die sich verändernde Umwelt. Hier ist es die Protektorin von Threerivers, die sich mit den Veränderungen in der Welt nicht abfinden kann und damit immer mehr den Unmut des Volkes und insbesondere der Männer auf sich zieht. Sie hält krampfhaft an den traditionellen Werten fest und führt damit ihre Stadt an den Rande des Untergangs, ob darüber hinaus, will ich hier nicht verraten.

Williams hat es auch mit dem vierten Roman wieder geschafft, mich zu überzeugen. Er schafft eine glaubwürdige Welt, die anders ist, als alle anderen postapokalytischen Bücher, die ich bisher gelesen habe. Es geht hier nicht um das Zerbrechen der Welt und die Verzweiflung der Menschen, sondern um den behutsamen Aufbau einer neuen Welt, um die Konflikte, die dabei entstehen. Dabei ist der Grundtenor der Bücher überraschend positiv, da sich in jedem Buch eine Entwicklung zum Positiven abzeichnet. Die Charaktere sind äußerst glaubwürdig, wenn auch meist etwas oberflächlich gezeichnet. Vollkommen überzeugen kann jedoch die vielfältige Welt in der der Autor unglaublich viele kreative Ideen und Versatzstücke verbaut.

Was mich ein wenig an dem Zyklus stört, ist, dass jedes Buch einen ähnlichen Aufbau hat: Ein männlicher Pelbar muss oder will seine Heimat aus einem wichtigen Grund verlassen, begegnet auf seiner Reise anderen Stämmen und führt diese im Laufe des Romans weiter aufeinander zu. Dabei greift Williams zwar verschiedene Grundthemen auf, die Eintönigkeit der Handlung schmälert den positiven Eindruck.

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