Hier, beim Turm, wo alles seinen Anfang nimmt: die Treffen derer, die einander noch nicht kennen und sicher nicht verfehlen wollen, die Rundgänge der regenschirmschwingenden Touristenführer, die Geschichte der Stadt und meine Geschichte mit ihr. –Cornelius Hell

Der eiserne Wolf im barocken Labyrinth. Erwachendes Vilnius

(Picus Lesereisen 2009, 132 Seiten, 978-3-85452-951-4)

Atmosphärisches Buch über eine nahezu unbekannte aber absolut faszinierende Stadt.

Während meines Studiums habe ich mich 2003 für zwei Semester in die litauische Hauptstadt Vilnius verabschiedet und mich dort in die Stadt und ihre Geschichte verliebt. Und da es in Deutschland nicht allzu viele Bücher aus oder über Vilnius gibt, konnte ich mir den Reisebericht des Vilnius-Kenners und Litauisch-Übersetzers Cornelius Hell nicht entgehen lassen. Er nimmt den Leser mit auf einen Aufenthalt von ungefähr einer Woche und macht sich auf unterschiedlichen Spaziergängen seine Gedanken über die Stadt, das Land und die Menschen.

Da ich mich in Vilnius mittlerweile doch ganz gut auskenne, konnte ich vor meinem inneren Auge seinen Schritten durch die verwinkelten Gassen und auf die unterschiedlichen Hügel folgen und mich wieder an die schönen Zeiten erinnern, die ich in dieser Stadt gehabt habe. Gleichzeitig liefert Hell zahlreiche Hintergrundinformationen, historische Anekdoten und Eindrücke aus persönlichen Begegnungen. Dabei nimmt er den Leser mit von der Gründungslegende um den eisernen Wolf, über die historische Vergangenheit als Großreich und später Sowjetrepublik bis zum Beitritt Litauens in die Europäische Union. Durch seinen Hintergrund als Übersetzer liegt hier ein leichter Schwerpunkt auf der litauischen Literatur, die hierzulande nahezu unbekannt ist.

Der eiserne Wolf im barocken Labyrinth wird so zu einem faszinierenden Reisebericht, der die engen Straßen und ganz eigene Atmosphäre dieser Stadt wunderbar einfängt. Es macht einfach Spaß, dem Autor und seinen Gedanken zu folgen und sich nach Vilnius entführen zu lassen. Für Kenner der Stadt bietet das Buch damit eine gute Möglichkeit, sie vom Sessel aus erneut zu erkunden – mit einem kundigen und tiefsinnigen Reiseleiter. Wer noch nicht in Vilnius war, sollte das Buch nur dann lesen, wenn er bereit ist, in der nächsten Zeit nach Litauen zu reisen, denn diese Sehnsucht weckt das Buch garantiert.

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