Anrührende und bedrückende Schilderung des Alltags von Straßenkindern in Afrika.

José Antonio Maria Vaz steht eines Nachts auf einem Dach und erinnert sich. Er erinnert sich an Nelio, einen 10-jährigen Straßenjungen und an die neun Nächte, die sein Leben verändert sollten. José arbeitet in einer, an ein Theater angeschlossenen, Bäckerei. Als er eines Nachts in den Theaterraum kommt sieht er einen kleinen Jungen mitten im Schweinwerferlicht liegen: Nelio. Der kleine Junge hat zwei Schusswunden in seiner Brust. Weil er nicht weiß, was er mit dem Kind machen soll bringt der Bäcker ihn auf das Dach des Gebäudes und pflegt ihn dort, so gut er kann. Nelio möchte nicht in ein Krankenhaus, er weiß, dass ihm nicht mehr zu helfen ist. Das einzige, was ihn am Leben hält ist seine Geschichte. Diese erzählt er nachts dem Bäcker, wenn dieser ihm auf dem Dach Gesellschaft leistet. Nelios Geschichte ist die vieler Straßenkinder in Afrika. Eines Nachts wird sein Dorf von Banditen überfallen und er wird gefangen genommen. Es gelingt ihm zu fliehen, und mit Hilfe eines Fabelwesens erreicht er die Stadt in der er die letzten Monate seines Lebens verbringen wird. Er schließt sich einer Bande an und steigt zu ihrem Anführer auf. Dabei besticht er nicht durch Skrupellosigkeit und Gewalt, sondern durch Menschlichkeit und Umsicht. Auch in den Nächten auf dem Dach erscheint er José nicht wie ein Kind, sondern eher wie ein weiser, alter Mann mit umfassender Lebenserfahrung. In der neunten und letzten Nacht erzählt er ihm dann auch die Geschichte der Nacht, in der er angeschossen wurde.

Mankell kann nicht nur Krimis schreiben, er ist auch ein guter Kenner des afrikanischen Kontinents. Dies beweist er in Der Chronist der Winde eindrucksvoll. Er schildert nicht nur eindrucksvoll das Leben eines Straßenjungen, sonders es gelingt ihm auch, die Atmosphäre der afrikanischen Stadt einzufangen. Dabei vermischt er oft Realität und Traum und macht sogar ein Fabelwesen zu einer tragenden Figur. Was dem Buch ein wenig fehlt ist Spannung, die den Leser an das Buch fesseln kann, dies macht er durch die bedrückende Schilderung des Alltags der Straßenkinder weitestgehend wett.

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Bisher ein Kommentar zu Der Chronist der Winde

  1. Jo sagt:

    Dieses Buch habe ich vor einigen Jahren gelesen und es hat mich doch eine Weile beschäftigt. Es ist an vielen Stellen etwas irreal, was nicht heißen soll, dass es schlecht ist. Es ist auf jeden Fall lesenswert und eine sehr schöne, wenn auch manchmal befremdlich wirkende Geschichte.

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