Das Theorem des Papageis (Le théorème de perroquet)

(Bastei-Lübbe 2001, 739 Seiten, 3-404-14596-8)

Gelungener Versuch den Leser für die Geschichte der Mathematik zu erwärmen, der leider ein wenig unter der etwas holprigen Handlung und dem enttäuschenden Ende leidet.

In seiner Buchhandlung „1001 Blätter“erhält der gelähmte Monsieur Ruche einen mysteriösen Brief aus Manaus. In diesem Brief kündigt ein alter Studienfreund Ruches, Elgar Grosrouvre, zu dem seit knapp 50 Jahren keinen Kontakt mehr hatte an, ihm eine umfangreiche, wertvolle Bibliothek mathematischer Bücher zuzuschicken. Grosrouvre hatte Mathematik studiert, während Ruche sich der Philosophie verschrieben hatte. Im zweiten Weltkrieg verloren sich die beiden nach gemeinsamer Flucht aus den Augen. Während Ruche eine Buchhandlung in Paris eröffnete zog Grosrouvre nach Brasilien und vergrub sich dort in mathematischen Beweisen. Als die Bücher in Paris ankommen bringt Ruche sie vorerst in einem Atelier in seinem Hinterhof unter. Doch schon bald kommt ein zweiter Brief von seinem Freund in dem dieser ankündigt bald zu sterben. In seinem Brief sind eine Reihe von Hinweisen, denen Ruche beginnt nachzugehen. Unter anderem behauptet der Mathematiker zwei der ältesten, unbewiesenen mathematischen Behauptungen bewiesen zu haben: den letzten Satz des Pierre de Fermat und die Goldbach’sche Vermutung. Monsieur Ruche beginnt die Geschichte der Mathematik zu erforschen um die Hintergründe des Todes seines Freundes zu erfahren. Dabei helfen ihm Perette, die seit seinem Unfall die Buchhandlung führt, Jonathan-und-Léa Zwillingskinder von Perette, sowie Max ihr tauber ohn die alle auch im Haus der Buchhandlung wohnen. Zudem ist da noch ein sprechender Papagei, den Max zur gleichen Zeit wie die Briefe kamen auf einem Flohmarkt aus den Fängen von Tierschiebern gerettet hat.

Wer nach dieser Inhaltsangabe ein Sofies Welt für Mathematik erwartet liegt gar nicht mal so falsch. In Das Theorem des Papageis versucht Guedj tatsächlich dem Leser die Geschichte der Mathematik näher zu bringen. Monsieur Ruche organisiert nach seinen Studien in der BAU (Bibliothek aus dem Urwald) „Sitzungen“in denen er die Anderen in seine Erkenntnisse einweiht. Hier schafft es Guedj meisterhaft den Leser in die verschiedenen Epochen an den verschiedensten Orten zu versetzen. Er zeigt dem Leser die Lebensumstände und -geschichte diverser Mathematiker auf. Dabei beschränkt er sich nicht nur auf die abendländischen Wissenschaftler, sondern er bezieht auch die arabischen mit ein, die große Teile der Entwicklung der Mathematik bestimmten, aber oft vergessen werden. Bei den mathematischen Werken beschränkt sich der Autor dann aber auf das nötigste. Bei den antiken Mathematikern, deren Erkenntnisse heute zum Allgemeingut gehören (Entdeckung der negativen Zahlen, Brüche…) geht er noch ausführlicher darauf ein, sobald die Sätze und Entdeckungen aber komplexer werden beschränkt er sich nur noch darauf zu sagen: „Er löste dieses und dieses Problem“was den Lesefluss natürlich fördert, aber das tiefere Verständnis hemmt. Aber es wäre auch kaum mehr möglich tiefer in die Materie einzusteigen, ohne den Leser mit Fachausdrücken und Formeln zu bombardieren. Mathematik ohne Formeln ist einfach wie Philosophie ohne Sätze. Was die Handlung anbelangt, so ist meine Meinung zu Das Theorem des Papageis gespalten. Zum einen flicht Guedj die mathematischen Aspekte meisterhaft in die Handlung ein, ohne dass sie aufgesetzt wirken. Jedoch wirkt die gesamte Handlung etwas holprig aber nichts desto trotz teilweise recht spannend. Diese Spannung zog sich bei mir besonders daraus, worauf Grosrouvre mit seinen Andeutungen in seinen Briefen denn nun hinauswollte und welcher Beziehung diese zu seinem Tod standen. Das Ende aber hat mit enttäuscht, weil es eigentlich in keiner Weise etwas mit der Mathematik oder ihrer Geschichte zu tun hat. Hier hat Guedj wirklich eine Chance verpasst. Eines muss noch erwähnt werden: Obwohl der Roman durchgehend auf hohem sprachlichen Niveau liegt so hat sich der Übersetzer (oder der Autor) den ein oder Fauxpas geleistet als es um mathematische Begriffe ging. So verwechselt er „Nenner“und „Zähler“sowie „Satz“und „Theorem“gerade an den Stellen, wo er ihre Unterschiede deutlich machen will.

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