Das Testament (The Testament)

(Island Books 2000, 533 Seiten, 0-440-23474-3)

The Testament ist wieder ein ruhiger, aber wahrlich nicht schlechter Roman von John Grisham. Mehr davon!

Troy Phelan ist ein millionenschwerer Geschäftsmann, der seine Familie hasst. Er ändert sein Testament und vermacht sein Vermögen seiner Familie. In einer regelrechten Zermonie unterschreibt er das Testament unter den Augen seiner Kinder, die ihn über Videokamera beobachten können. Als die Kamera aber abgeschaltet wird, zieht er einen neuen letzten Willen aus der Tasche und unterschreibt ihn nur vor den Augen seines Vertrauten. Danach springt er aus dem Fenster und stirbt. Er hat seinen Vertrauten in diesem neuen Testament angewiesen, es erst nach zwei Monaten zu eröffnen. Seine Familie gibt in dieser Zeit das Geld, das sie glaubt zu erben, mit vollen Händen aus. Phelan hat ihnen aber in seinem neuen Testament nur die Erstatung aller ihrer Schulden an seinem Todestag vermacht. Sein ganzes Vermögen geht an seine, ihm und allen anderen unbekannte, uneheliche Tochter Rachel Lane, die als Missionarin inmitten des Brasilianischen Dschungels arbeitet. Nate O’Riley ist ein frisch aus der Alkohol-Rehabilitation entlassener Anwalt, der nun die Aufgabe bekommt, Rachel Lane zu finden. Dazu macht er sich in einem riesigen unübersichtlichen Gebiet des Dschungels auf die Suche nach der verlorenen Erbin. Phelans Familie vesucht derweil zu Hause, das letzte Testament anzufechten.

The Testament ist mal wieder ein eigentlich eher untypischer Roman Grishams, wenn man ihn mit Büchern wie Die Jury oder Die Kammer vergleicht, schließt aber an Der Verrat an. Grisham wählt nicht das Milieu der jungen, ehrgeizigen Awälte, sondern wählt diesmal einen kaputten Alkoholiker, den all seinen Bekannten bereits abgeschrieben haben und der, ohne es zu wollen, in eine völlig neue Umgebung kommt. Dabei beschreibt er sowohl den Charakter des Nate O’Riley als auch die Abenteuer in Brasilien sehr eindringlich und versetzt den Leser in die Lage, sich in seine Position einzudenken und mit ihm mitzufühlen. Grisham baut eine ungeheure Sympathie für diesen anfänglich zu unsympathischen Anwalt auf. Die Beschreibungen der Situation im Urwald gehen aber leider manchmal sehr auf Kosten der Spannung, was den Lesefluss zu Beginn doch ein wenig hemmt. Man freut sich dann auf die Handlung in den USA, die dann noch erheblich spannender ist. Doch gegen Ende wird auch die südamerikanische Handlungseben immer spannender. Als Nate dann auch noch Rachel findet, wird Grisham in manchen Szenen sogar regelrecht philosophisch.

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