Spannender Reisebericht aus einer mittlerweile wohlbekannten Welt.

So langsam nähere ich mich dem Ende des äußerst lesenswerten Pelbar-Zyklus des amerikanischen Autors Paul O Williams. Im sechsten Teil Das Lied der Axt weicht er dabei das erste Mal etwas deutlicher von dem üblichen Handlungsschema dieser Reihe ab: Anstatt die Rückwirkungen einer Reise auf eine der drei Pelbar-Städte aufzuzeigen, konzentriert er sich diesmal auf die Reise des Shumai Tor und seines Neffen Tristal, die die gewaltigen Eismassen im Nordosten des Landes erkunden. Dabei treffen sie in dieser unwirtlichen Gegend auf verschiedene Völker, die sehr unterschiedliche Strategien entwickelt haben, mit dem Eis und der Kälte umzugehen. Auch hier gibt es natürlich wieder rigide Glaubensregime, ein böses, kinderraubendes Volk und viele Veränderungen, die durch die beiden Reisenden ausgelöst werden.

Dass Williams sich diesmal entschieden hat, keine ausführliche Handlungsebene in einer der Pelbar-Städte einzubauen, tut der Spannung und der Atmosphäre des Romans sichtlich gut, da er so mehr Zeit auf die Protagonisten und die einzelnen Kulturen und Situationen verwenden kann. Gleichzeitig löst dieser Verzicht den Roman jedoch auch ein wenig aus dem allgemeinen Zusammenhang des Zyklus, weil es außer einigen Aussagen von Tor und Tristal keinen direkten Bezug zu der Entwicklung der Welt in den letzten fünf Roman gibt. Die Gesellschaften, denen die beiden auf ihrer Reise begegnen, können zwar detaillierter geschildert werden und weisen viele interessante Eigenschaften auf, die lange Geschichte der Pelbar rückt dadurch jedoch in meinen Augen zu sehr in den Hintergrund. So verliert Das Lied der Axt viel von der soziologischen Tiefe, die die anderen Bücher des Pelbar-Zyklus ausgezeichnet hat.

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