Keineswegs leichte Unterhaltung, aber dafür um so spannender und interessanter.

Nach einem Jahr als Taxifahrer sieht Reporter Tarek Faht die Chance, wieder in den Journalismus einzusteigen. Er meldet sich auf eine Anzeige in der Zeitung bei der Universität Köln für ein psychologisches Experiment: Zwei Wochen lang sollen 12 Versuchspersonen in einem simulierten Gefängnis eingesperrt werden, wo sie von 9 weiteren Versuchsteilnehmern bewacht werden. Dabei gelten strenge Regeln, die die Gefangenen zu befolgen haben. So dürfen sie sich z.B. gegenseitig nicht mit Namen anreden, sondern mit zugewiesenen Nummern. . Als Damoklesschwert schwebt über den Gefangenen immer die Black-Box. Eine kleine, schall- und lichtdichte Kammer. Zu Beginn widersetzt sich Tarek der unfairen Behandlung durch die Wärter, doch diese reagieren mit immer drakonischeren Strafen. Dies beginnt bei Liegestützen, geht über Demütigungen bis hin zu Gewalt. Tarek hält die unmenschliche Behandlung nicht mehr aus und will mit Hilfe seiner Freundin und eines Wärters das Experiment sprengen. Doch der Wärter, der Tareks Freundin eine Nachricht überbringen sollte wird von den anderen Wärtern erwischt und wird nun auch zu einem Gefangenen. Das Experiment eskaliert: Die Gefangen werden mundtot gemacht und einer der Gefangenen sogar so stark zusammengeschlagen, dass er später seinen Verletzungen erliegt. Tarek, der seit seiner Kindheit unter Klaustrophobie litt, wird in die Black-Box gesperrt. Nun will die Assistentin des Professors das Experiment abbrechen, doch die Wärter vermuten dahinter einen Test und verschanzen sich in dem Gefängnis. Dabei nehmen sie auch die Assistentin als Gefangene. Kurz darauf lassen sie Tarek wieder aus der Box. In seiner Zelle plant er nun zusammen mit einem Major der Luftwaffe den Ausbruch.

Die Geschehnisse in dem Roman beruhen auf einem Experiment, dass tatsächlich in den USA stattgefunden hat und nach wenigen Tagen abgebrochen werden musste. Dabei wurde jedoch (meines Wissens nach) niemand verletzt. Giordano beschreibt eindringlich die Wandlung ganz normaler Menschen in willenlose Gefangen einerseits und brutale, skrupellose Wächter andererseits. Er macht dem Leser klar, wie leicht ein Mensch zum Mörder wird, aber auch wie leicht sich jeglicher Widerstand brechen lässt. Bei seinen Beschreibungen der Ereignisse beschränkt sich Giordano auf das wesentliche und schreibt kein Wort zu viel. Die Dialoge und Einblicke in die Psyche der Akteure sind jedoch ausgefeilt. Diese Mischung fesselt den Leser und ermöglicht es ihm schnell, sich mit den handelnden Personen zu identifizieren: Auf der einen Seite steht Tarek, der abgewrackte, aber willensstarke Gefangene der versucht, sich der Autorität zu widersetzen. Auf der andern Berus, der brutalste Wärter und ihr (un)heimlicher Anführer. Er hat es besonders auf Tarek abgesehen, den er als Unruhestifter und Rädelsführer ausgemacht hat. Dann ist da aber auch noch Steinhoff, der abgebrühte Luftwaffe-Pilot, für den das Experiment anfangs nur ein Training darstellt und Eckert, im wahren Leben Elvis-Imitator, der schnell zum naiven Assistenten von Berus wird. Auch ein paar weiteren Personen widmet Giordano sich ausführlicher.

Buch bei Amazon kaufen

Kommentar abgeben