The Cambridge Quintett

(Diana 1998, 223 Seiten, 3-453-16061-4)

Wer sich für philosophische Wissenschaft (oder wissenschaftliche Philosphie) interessiert, sollte sich dieses Buch mal näher ansehen.

In seinem Buch beschreibt Casti ein fiktives Gespräch zwischen fünf namhaften Wissenschaftlern der 40-er Jahre. C. P. Snow, ein Schriftsteller, Physiker und Mitglied des Kabinetts, lädt den Mathematiker Alan Turing, den Genetiker J.B.S. Haldane, den Physiker Erwin Schrödinger sowie den Philosophen Ludwig Wittgenstein zu einem Abendessen in ein Cambridger College ein, um mit ihnen darüber zu diskutieren, ob eine denkende Maschine möglich ist oder nicht. Ausgangspunkt bildet hierbei die von Alan Turing theoretisch konstruierte Turing-Maschine, von der ihr Erfinder meint, dass sie eines Tages wie ein Mensch denken könne.

Casti versucht mit seinem Buch, dem Leser einen Einblick in die Diskussion um denkende Maschinen zu gewähren. Er wählt für seine Handlung die späten 40-er Jahre, da in dieser Zeit die wissenschaftliche Grundlage für dieses heutzutage riesige Forschungsgebiet gelegt worden ist. Zudem war die Diskussion in dieser Zeit noch sehr theoretisch, da die entwickelten Theorien noch nicht in die Praxis umgesetzt werden konnten. Casti bietet in seinem Buch jedoch keinen wissenschaftlichen Einstieg in die Materie – er erklärt lediglich zu Beginn die Funktionsweise einer Turing-Maschine -, sondern er wählt einen eher philosophischen Ansatz, indem er seine Protagonisten über Fragen wie „Was heißt denken?“und „Was bedeutet Sprache für unser Denken?“diskutieren läßt. Die Argumentationen wirken dabei teilweise etwas löchrig und nur sehr schwer verständlich. Dies läßt sich teilweise mit der zeitschgeschichtlichen Situation erklären, ist jedoch auch durch die manchmal sehr philosophische und komplexe Ausdrucksweise der Wissenschaftler zu erklären. Hier hilft Casti jedoch oft weiter, indem er Beispiele bringt, die das Gesagte veranschaulichen. Außerdem läßt er den Moderator C. P. Snow zum Ende jedes Kapitels noch einmal die wichtigsten Standpunkte zusammenfassen. Das Buch an sich ist recht flüssig zu lesen, und die Protagonisten wirken durch die Bank glaubwürdig. Es gelingt dem Autor hervorragend, die Atmosphäre eines edlen Mahls im Speisesaal eines Cambridger Colleges einzufangen und den Leser ins Nachkriegs-England zu entführen.

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