Berufung (The Appeal)

(Dell 2000, 484 Seiten, 978-0-440-29688-1)

Grisham kann auch zwischen zwei Gerichtsprozessen einen spannenden Roman aufziehen.

Cary County, ein Landkreis in Mississippi, wird wegen einer deutlichen Häufung von Krebsfällen auch als Cancer County verspottet, und ein Schuldiger ist auch bereits gefunden: Eine frühere Pestizid-Fabrik, die das Grundwasser verseucht.

Nach einem langen Gerichtsprozess, für den sich das Anwaltsehepaar Mary Grace und Wes Payton bis über beide Ohren verschuldet haben, wurden die ehemaligen Betreiber der Fabrik zu einer Millionenstrafe verurteilt. Die Verurteilten gehen in Berufung, aber bevor der oberste Gerichtshof von Mississippi über den Fall entscheidet, ist erst einer der Richterposten dort in einer Wahl neu zu besetzen.

Hier taucht überraschend ein sehr wirtschaftsfreundlicher Kandidat auf, der für seinen Wahlkampf schier unerschöpfliche Spenden einwirbt.

Mit The Appeal hat John Grisham einen spannenden Roman geschrieben, der diesmal nicht während eines großen Gerichtsprozesses spielt, sondern danach. Im Vergleich zu vielen früheren Werken Grishams ist dies etwas überraschend, wenn schon auf den ersten Seiten das Urteil verkündet wird.

Dies soll jedoch nicht negativ gemeint sein, vielmehr gelingt dem Autor eine sehr schöne Darstellung des Wahlkampfes um ein hohes Richteramt, und des Versuches, so indirekt ein Urteil zu kaufen. Lebhaft geschildert ist dabei das Gegeneinander der beiden Lobbygruppen: auf der einen Seite Rechtsanwälte, die Schadensersatzklagen verhandeln, und auf der anderen Seite Unternehmer, die entsprechende Millionenzahlungen vermeiden wollen. Bei der Erzählung kommen jedoch auch die ursprünglichen Opfer nicht zu kurz, die unter dem chemisch verseuchten Wasser zu leiden haben.

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