L'Or et la Cendre

(Diana 2001, 475 Seiten, 3-453-18671-0)

Sehr überladener und teilweise zu surrealer Krimi im modernen Nachklang des Holocaust.

Ein bekannter französischer Holocaustwissenschaftler wird ermordet aufgefunden. Allerdings ist er nicht nur tot, sondern auch noch in zwei Teile zerteilt und nur die eine Hälfte seines Körpers wird gefunden. Der Journalist Felix Werner entwickelt ein Interesse an dem Fall und beginnt zusammen mit seinem Freund, dem Historiker Raphael Simmer, Nachforschungen anzustellen. Dabei treffen die beiden in der jüdischen Gemeinde von Paris auf die Familie Perlmann, in deren Tochter Lisa Raphael sich verliebt. Außerdem geraten sie in einen wissenschaftlichen Streit und verstricken sich immer mehr in die Gefühle der Juden dem Holocaut gegenüber. Als dann am Ende die Aufklärung naht, zeigt sich, dass kaum jemand der ist, der er zu sein scheint.

Es ist schwer dem Roman der französischen Philosophiedozentin wirklich gerecht zu werden, so viele Themen verarbeitet sie auf nur 475 Seiten. So versucht sie sich mit dem Thema „das Böse“ im Allgemeinen und dem Holocaust im Speziellen auf philsophischer Ebene zu beschäftigen, auf die Geschichtstheorie einzugehen, die Gefühle der Juden gegenüber dem Holocaust (oder der Shoah) darzustellen, Psychogramme ihrer Protagonisten zu erstellen, eine Kriminalgeschichte zu erzählen und überrascht den Leser am Ende noch mit einigen unerwarteten Wendungen.Leider schafft es die Autorin auf keinem der vielen Schauplätze, wirklich zu überzeugen. Am Besten hat mir hier noch die Kriminalhandlung gefallen, die die Autorin spannend schildert und es gelingt ihr an diesen Stellen gut, den Leser in die Handlung einzubeziehen und zum Miträtseln zu motivieren. Allerdings sind hier schon manche Gedankengänge der Protagonisten sehr schwer zu verstehen und wirken ziemlich wirr und fast schon surreal. Dies ist vor Allem damit zu erklären, dass die Autorin hier versucht, sich philosophisch mit dem Holocaust und der jüdischen Gesellschaft auseinander zu setzen. Dabei schafft sie es aber leider nicht, ein philosophisches Konzept oder Denkanstöße von den teilweise surrealen Gedankengängen der Figuren zu trennen, wodurch diese Passagen eigentlich nur noch den Handlungsfluss unterbrechen. Am Ende habe ich sie dann überlesen. Insgesamt kann man sagen, dass Eliette Abécassis sich an ihrem ambitionierten Romankonzept eindeutig überhoben hat, aber trotzdem zumindest eine spannende Krimihandlung gekonnt verstecken konnte.

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