Als die Gletscher schmolzen

(BoD 2004, 273 Seiten, 3-8334-0878-2)

Ambitioniertes und vielschichtiges Buch, das jedoch teilweise sehr konstruiert wirkt und sprachlich nicht überzeugt.

Ein Dorf im Süden des heutigen Deutschlands vor 9000 Jahren. Als Karuno, der Zauberer des Stammes stirbt, wird sein junger Lehrling Hagun zum Nachfolger ernannt. Von Beginn an vom Häuptling misstrauisch beobachtet unterläuft ihm bald ein Fehler und er wird verbannt. Er soll in einem anderen Dorf bei dem dortigen Zauberer in die Lehre gehen und darf erst nach Abschluss dieser Ausbildung wieder in seine Heimat zurückkehren. Während dieser Ausbildung lernt Hagun mehr, als er erwartet hatte. Neben umfangreichen Kenntnissen über Kräuter und deren Anwendung sowie Ritualen erwirbt er während der abschließenden Prüfung den Zugang in das Reich der Geister und einen Wolfsgeist als persönlichen Schutzgeist. Einige Zeit nach seiner Rückkehr suchen seltsame Menschen sein Dorf auf. Sie sind auf der Suche nach einem Stein und ein mysteriöser Einsiedler, der seit einiger Zeit in der Nähe des Dorfes lebt, rückt in den Mittelpunkt des Interesses und das plötzliche Auftauchen einer seltsamen Frau verkompliziert die Dinge nur noch weiter.

In Als die Gletscher schmolzen vermischt Köhrer viele verschiedene Themen. Neben seinem eigentlichen Ziel, der Darstellung des Lebens und der Welt des Mesolithikums, fügt Köherer Science-Fiction-Elemente ein, bedient sich bei der Atlantis-Sage und versucht auch noch eine mystische Ebene einzubauen. An diesem Vorhaben verhebt sich der Autor jedoch. Sind die mystischen Aspekte noch weitestgehend glaubwürdig, so wirkt der Science-Fiction-Anteil doch sehr aufgesetzt und ist für die Handlung eigentlich überflüssig. Die Anleihen an Atlantis sind sehr offensichtlich und dadurch kaum spannend, zumal die Bedeutung dieses Teils auch im Unklaren bleibt: Sie suchen nach einem Stein, der Wissen beinhaltet, aber das wieso und weshalb bleibt unklar. Sprachlich hätte Als die Gletscher schmolzen noch einiger Überarbeitung bedurft. Köhrer verwendet teilweise sehr hochgestochene Formulierungen, die nicht in einen Roman passen und den Lesefluss hemmen. Auch einige Vergleiche, die nicht in die Zeit passen, in der der Roman spielt, stören den Gesamteindruck. Die Handlung ist jedoch trotzdem spannend geschildert und auch die Welt wirkt auf den Leser lebendig und plausibel. Was Fakt und was Fiktion ist, bleibt dem Leser jedoch verborgen.

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