abgehängt

(S. Fischer 2002, 128 Seiten, 3-596-15622-X)

Ein anonymer Anrufer sorgt für Verwirrung und Irritation

Birgit Vanderbeke ist eine interessante Autorin, die über eine sehr genaue Beobachtungsgabe verfügt und diese stilsicher umzusetzen vermag. Die Beschreibungen menschlichen Verhaltens sind detailfreudig, spielen mit der Klaviatur der Stimmungen und Launen und sind meistens zutreffend.

In diesem kleinen Buch wird der Alltag einer Schriftstellerin beschrieben, deren Leben durch einen anonymen Anrufer mehr und mehr in Unordnung gerät. Trotz der telefonischen Beschimpfungen, deren Gründe nicht eruierbar sind, geht das Leben natürlich weiter. Die Autorin trifft ihren literarischen Agenten Meyer-Bromberger in der Sushi-Schnellabfertigungs-Bar, denkt darüber nach wie sie ihrer pubertierenden Tochter den Wunsch nach einer Tätowierung ausreden könnte und plant ihre Tagesabläufe. Neben all diesen Alltäglichkeiten spürt sie jedoch die Angst im Rücken und fühlt sich ständig beobachtet. Nur beim Hören der Musik ihres Ehemannes Serge kann sie abschalten. Dabei fällt ihr jedoch unweigerlich Eddie ein, der geniale Geigenspieler, der gemeinsam mit Serge „Blue Heaven“ komponierte. Eddie hat sich umgebracht – und die Gründe für den Suizid dieser musikalischen Legende blieben ungeklärt. Irgendjemand muss ihn verraten haben. Er wurde abgehängt. Einfach abgehängt.Und genau wie diese Parallelfigur leidet auch die Protagonistin unter der beständigen Gefahr verraten und abgehängt zu werden. Birgit Vanderbeke beweist auch hier wieder viel Humor und an vielen Stellen ist das Buch wirklich wunderbar geschrieben. Allerdings wird man manchmal das Gefühl nicht los, dass es mit der schnellen Feder gestrickt wurde. Meine persönlichen Favoriten bleiben deshalb Alberta empfängt einen Liebhaber und Ich sehe was, was du nicht siehst.

Buch bei Amazon kaufen

Kommentar abgeben