"Wenn man in einem abstürzenden Flugzeug sitzt, nützt Anschnallen auch nichts mehr, Herr Komatsu." "Aber es beruhigt."

1Q84 (ichi kyū hachi yon)

, Teil 1

(Dumont 2010, 1021 Seiten, 9783832195878)

  • Typischer Murakami
  • Unsere Welt, (fast) wie wir sie kennen
  • Lang, aber keineswegs weilig

So einfach kann’s gehen: Da geht man nichts ahnend eine Rettungstreppe von der Stadtautobahn herunter und befindet sich plötzlich in einer anderen Welt wieder. Auf den ersten Blick erkennt man den Unterschied zwar nicht, doch die Polizisten sind auf einmal schwer bewaffnet und am der Mond am Himmel hat einen grünlich schimmernden Zwilling bekommen. Gleichzeitig bekommt der talentierte Schriftsteller Tengo ein Manuskript von seinem Verleger, das ihn nahezu magisch anzieht. Es ist die Geschichte einer blinden Ziege, den „little people“ und der Puppe aus Luft – erzählt von einer wortkargen und emotionslosen Siebzehnjährigen.

Die Kurzbeschreibung verrät schon, dass 1Q84 mal wieder ein typischer Murakami ist: schräge Figuren und das Unwirkliche, das in ihren Alltag eindringt, sind seit jeher das Metier des japanischen Autors. Er nimmt sich Menschen, die zumeist einsam am Rand der Gesellschaft stehen, und schickt sie von einer Merkwürdigkeit in die nächste. Dabei fragt man sich immer wieder, welchen Sinn das eigentlich haben soll, was Murakami hier gerade verzapft und bleibt dann doch wie gefesselt an den Seiten hängen. Dabei ist sein Schreibstil eigentlich weder besonders einnehmend noch spannungsgeladen oder emotional. Sachlich, nüchtern und mit einem hintergründigen Humor schildert er die seltsamsten Gegebenheiten. Auch seine Figuren nehmen die Merkwürdigkeiten um sich herum erstaunlich gelassen hin und arrangieren sich mit ihnen. Als Leser stockte ich immer wieder überrascht über die Gleichmütigkeit, die die Figuren dem Zusammenbrechen ihrer Welt entgegenbringen.

Da diese Ausgabe nur den ersten und den zweiten Teil einer Trilogie enthält, fällt das Ende entsprechend offen aus.

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