I hope they spent those last few hours well. I hope they didn’t waste them on mindless tasks: kindling the evening fire and cutting vegetables for dinner. I hope they sang together, as they so often did. I hope they retired to our wagon and spent time in each other’s arms. I hope they lay near each other afterward and spoke softly of small things. I hope they were together, busy with loving each other, until the end came.

Spannende Charaktere und eine unglaublich dichte Atmosphäre in einem Fantasy-Roman, der für mich locker an die Großen des Genres heranreicht oder diese sogar übertrifft.

Er stand zwar schon seit einiger Zeit auf meiner Wunschliste, aber erst das nahende Erscheinen des Nachfolgebands und eine nette Leserunde bei Fantasy-Faction haben mich dazu gebracht, mir den hochgelobten Erstling von Patrick Rothfuss auf meinen Reader zu ziehen. Und jetzt ärgere ich mich schon, dass ich das nicht viel früher gemacht habe, denn Der Name des Windes hat mich voll und ganz überzeugt.

Newarre ist ein kleiner Ort an einer Handelsstraße, die jedoch wegen eines Kriegs immer seltener benutzt wird. Der zentrale Treffpunkt der Bürger des Orts ist ein kleines Gasthaus, das unter dem Fehlen von Durchreisenden besonders leidet. Eines Tages gelangt jedoch ein Chronist in den Ort, der im Inhaber der Taverne, der sich selbst Kote nennt, den verschollen Magier Kvothe, den Blutlosen, erkennt. Der Chronist ist natürlich an der Geschichte von Kvothe interessiert und nach einigem Hin und Her erklärt dieser sich bereit, seine Geschichte zu erzählen. Sie führt von seiner Kindheit als Mitglied einer reisenden Schauspieltruppe über ein Leben auf den Straßen der Stadt Tarbean bis hin zu seinem Studium der Magie an der Universität und dem Arcanum. Getrieben wird er dabei von dem Rätsel um den Tod seiner Eltern, die zusammen mit der gesamten Schaustellertruppe eines Abends brutal niedergemetzelt wurden. Dabei scheint es eine Verbindung zu den mythischen Chandrian zu geben, deren Anwesenheit sich durch eine blaue Flamme ankündigt.

Diese Geschichte klingt sonderlich komplex, aber natürlich beschränkt sich Rothfuss nicht darauf einfach routiniert die unterschiedlichen Stationen von Kvothes Leben abzuspulen. Vielmehr nimmt er den Leser mit auf eine spannende Reise durch das Leben des jungen Kvothe, bei dem von Beginn an klar ist, dass in ihm mehr steckt, als nur ein talentierter Schausteller. Da ist der Unterricht bei einem Mitreisenden, der ihn in die Grundlagen der Magie, in dieser Welt „Sympathie“ genannt, einführt. Der rätselhafte Tod seiner Eltern, sein anschließendes Leben im Wald, bei dem ihm nur seine Laute den Lebensmut erhält. Seine Jahre als Bettler und Taschendieb auf den Straßen der großen Stadt Tarbean und schließlich seine Reise zu und Zeit an der Universität, wo er als hochbegabter Schüler auch die erfahrenen Meister überrascht. Und, wie könnte es anders sein, natürlich schafft er sich hier nicht nur einen Todfeind, sondern trifft auch eine ganz spezielle Frau…

Dadurch, dass Rothfuss seine Hauptfigur die Geschichte selbst erzählen lässt, schafft er es, Kvothe extrem plastisch und glaubwürdig aufzubauen. Als Lesen hatte ich noch nie das Gefühl, so nah an einer Figur dran zu sein, sie so detailliert vor mir zu sehen und manchmal sogar die Welt durch ihre Augen zu sehen. Dabei legt er großen Wert auf den Alltag Kvothes, nicht seine Verstrickung in große Gefahren oder seine Rolle als Retter der Welt stehen im Mittelpunkt, sondern sein täglicher Überlebenskampf in Tarbean oder seine Probleme, das Studium an der Universität zu finanzieren. Und kaum gelingt es ihm, eines dieser Probleme scheinbar dauerhaft zu lösen, bricht die Lösung in sich zusammen und er ist schließlich wieder auf sich alleine gestellt. Dabei ist Kvothe weder der Außenseiter, der sich der ganzen Welt erwehren muss, noch ein Superheld, der alle Probleme mit einer Hand hinweg wischen kann. Er ist einfach ein Mensch, der damit kämpft, sein Leben auf die Reihe zu bekommen und dann vielleicht noch das Rätsel um den Tod seiner Eltern zu lösen.

Die Menschen um ihn herum sind meistens keine gemeinen Fieslinge, sondern Menschen mit eigenen Leidenschaften und Ängsten, die Kvothe jedoch grundsätzlich positiv gegenübertreten. Das ist ohnehin ein Punkt, der mir besonders aufgefallen ist: Auch wenn ein leichter Schatten über der Welt liegt, ist es keineswegs eine verzweifelte Welt voller Tod und Leiden, sondern eine Welt voller Leben, aktiven Menschen und Leidenschaften. Es gibt in diesem Buch also keine große Bedrohung, keine offensichtliche Gefahr für die Welt, sondern nur leise Andeutungen und erste Indizien dafür, dass etwas nicht in Ordnung sein könnte.

Seine schwächste Phase hat das Buch kurz vor dem Ende von Kvothes Erzählung, bei der Rothfuss ein wenig Action in den Roman zu bringen versucht, die etwas näher an dem ist, was man klassischerweise von Fantasy erwartet. Daher hoffe ich einfach mal, dass der zweite Band der Königsmörder-Chroniken sich auf die Stärken des ersten Bandes besinnt und Rothfuss seine Fähigkeiten bei der Charakter-Entwicklung und der Erzeugung einer intensiven Atmosphäre weiterhin so meisterhaft einsetzt.

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