Alle Kritiken zu Umberto Eco

Baudolino (Baudolino)
 Der Name der Rose (Il nome della rosa)
 Die Insel des vorigen Tages (L'isola del giorno prima)

Alle Berichte zu Umberto Eco

Bisher noch keine News & Berichte in diesem Bereich.


Grottenschlecht.

Roberto de la Grive landet 1643 als Schiffbrüchiger auf einem verlassenen Schiff. Neben vielen Vögeln sind auch reichlich Vorräte an Bord des Schiffs, und irgendwer kümmert sich auch um diese Vögel, ganz alleine kann Roberto auf dem Schiff also nicht sein. Doch der geheimnisvolle Unbekannte versteckt sich sehr gut, so schreibt Roberto über längere Zeit erst einmal seine Lebensgeschichte auf, bevor er eines Tages einen Raum voller Uhren an Bord des Schiffes findet.

So abstrus diese Handlung klingt, so wirr ist sie auch geschrieben. Zusammenhanglos hat der Autor die zwei Handlungsfäden zusammengeflickt, Spannung flackert auch nur müde zwischendurch einmal auf, um dann wieder sang- und klanglos zu erlöschen. Grausam. Bei diesem Roman Ecos hatte ich den gleichen ersten Gedanken wie bei seinem Werk Der Name der Rose: so etwas habe ich noch nicht gelesen. Allerdings war Der Name der Rose eines der besten Bücher, die ich bisher gelesen habe, während Die Insel des vorigen Tages eines der schlechtesten war.Immerhin distanziert sich der Autor hier teilweise von dem, was er schreibt, indem er es als Erzählung Roberts und nicht als seinen eigenen Roman ausgibt. Nach Der Name der Rose und Baudolino hatte ich mit einem besseren Roman gerechnet und hatte leider nur Die Insel des vorigen Tages als Lektüre für eine längere Bahnfahrt eingepackt. Hätte das Buch nicht zwischendurch kurzzeitig etwas an Fahrt gewonnen (wenn das auch trügerisch war), wäre ich sehr versucht gewesen, den Schaffner um ein Kursbuch als alternativen Lesestoff zu bitten.

Spannende Kriminalgeschichte hinter mittelalterlichen Klostermauern - herausragender, unbedingt lesenswerter Roman.

m Italien des 14. Jahrhunderts kommt es in einer düsteren Abtei zu einem unerklärlichen Todesfall. Der gelehrte Franziskanermönch William von Baskerville wird beauftragt, zusammen mit seinem Adlatus Adson von Melk diesen Fall zu untersuchen, nicht zuletzt, da in der Abtei in Kürze eine größere theologische Diskussion ansteht und der Abt nicht Leute des Papstes bei dieser Untersuchung dabei haben möchte. Bei Ihren Nachforschungen stoßen William und Adson auf einige skurrile Gestalten und auch aus weiteren Todesfällen werden sie nicht schlau. Es dreht ich immer wieder um die geheimnisvolle Bibliothek der Abtei, deren Geheimnisse jemand um jeden Preis bewahren will.

Als erstes fällt bei Der Name der Rose die interessante Perspektive auf: als alter Mann schreibt Adson, wie er als junger Mönch seinem Meister William bei dessen Untersuchungen hilft. Wie auch später in Baudolino unterstützen diese subjektive Perspektive und die zwischen die eigentliche Handlung eingestreuten Kommentare die an sich schon spannende Erzählung. Die chronologische Einteilung in sieben Tage, jeweils am Tagesablauf des Klosterlebens orientiert, unterstreicht noch einmal den Ort der Handlung, eben ein mittelalterliches Kloster, ein ausgesprochen interessanter Ort für eine Kriminalgeschichte mit einem “Sherlock Holmes” in Mönchskutte. Trotz seiner über 600 Seiten und einiger Längen, als Adson seine Eindrücke beim Betrachten eines Kirchenportals oder den Disput über das Lachen beschreibt, wird Der Name der Rose an keiner Stelle langatmig und kommt immer wieder auf die geheimnisvolle Bibliothek als zentralen Ort der Abtei und deren Zusammenhang mit den Morden zurück. Insgesamt ist Der Name der Rose eines der besten Bücher, die ich bisher gelesen habe, und neben einer Verarbeitung zu einer Mickey-Mouse-Geschichte auch hervorragend stimmungsvoll verfilmt worden.

Baudolino (Baudolino)

(Hanser 2001, 591 Seiten, 3-446-20048-7)

Auch für weniger geschichts-interessierte ein sehr lesenswerter, teilweise phantastischer Roman.

Baudolino, Sohn einer Bauernfamilie im Piemont, trifft 1154 als 13-jähriger auf Friedrich Barbarossa, ohne diesen jedoch zu erkennen. Durch seine Phantasie und seine Fähigkeit, Lügengeschichten zue erzählen, beeindruckt er Barbarossa so sehr, dass dieser ihn vom Fleck weg adoptiert und mit an seinen Hof nimmt. Baudolino begleitet Barbarossa als dessen Geschichtsschreiber mit zur Kaiserkröhnung nach Rom und anschließend mit auf seinen Kreuzzug. Er erlebt alles mögliche mit, und kennt sogar das Geheimnis um Barbarossas Tod – der unter mysteriösen Umstäden in einem verschlossenen und gut bewachten Zimmer eingetreten ist. Baudolino ahnt, wer Barbarossas Mörder sein könnte. Trotz allem setzen er und die weiteren Gefährten Barbarossas die Suche nach dem sagenumwobenen Reich des Priesterkönigs Johannes im fernen Orient fort.

Baudolino ist ein ungemein spannender Roman (wie von Umberto Eco auch nicht anders zu erwarten), der vom Beginn bis zur letzten Seite keine unnötigen Längen enthält. Wie auch schon in “Der Name der Rose” hat der Autor die Perspektive des Erzählers sehr geschickt gewählt: Baudolino, der es Zeit seines Lebens mit der Wahrheit nicht so genau genommen hat, erzählt einem anderen Geschichtsschreiber seine Lebensgeschichte. Dieser hat so die Möglichkeit, Baudolino Rückfragen zu stellen und sich ein paar eigene Gedanken zum Erzählten zu machen. Der Leser hat so fast das Gefühl, diesen Gesprächen vom Nebentisch aus zuzuhören.