Alle Kritiken zu Tom Clancy

Im Sturm (Red Storm Rising)
 Die Stunde der Patrioten (Patriot Games)
 Befehl von oben (Executive Orders)

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Befehl von oben (Executive Orders)

, Teil 9

(Berkley 1997, 1358 Seiten, 0-425-15863-2)

Ein gelungenes Buch, für das man etwas Zeit benötigt - und man sollte sich nicht von vielen Abkürzungen aus dem militärischen Bereich abschrecken lassen.

Executive Orders schließt an Clancys Roman Debt of Honor an: kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den USA und Japan sind scheinbar beigelegt, und der Top-Agent, der daran maßgeblichen Anteil hatte, Jack Ryan, wird – nur für die Übergangszeit bis zu den nächsten Wahlen – zum Vizepräsidenten ernannt. Doch Minuten später bringt ein japanischer Kamikaze-Piot eine 747 auf dem Kapitol in Washington zum Absturz und tötet damit fast die gesamte amerikanische Regierung.
Ryan, unerfahren in politischen Ämtern und im Umgang mit den Medien, ist plötzlich zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika geworden, und hat weder ein oberstes Gericht noch einen Kongress. Mit seinen unkonventionellen Methoden kommt Ryan zwar vorwärts, macht sich aber auch schnell Feinde. Zudem sieht er sich mit einer neuen Kampfansage konfrontiert: die nach einem Attentat auf den irakischen Diktator neu gegründete vereinigte Iranische Republik startet einen Angriff mit Ebola-Viren auf die USA.

Trotz der Länge von über 1350 Seiten wird Executive Orders an fast keiner Stelle langatmig. Die verschiedenen Handlungsfäden halten bis fast zum Schluss die Spannung aufrecht, insbesondere die Schilderung der Vorbereitung des Ebola-Angriffs und die Beschreibung des Angriffs selbst ist Clancy gut gelungen. Einzig die Luftkämpfe am Schluss des Romans hätten für meinen Geschmack kürzer ausfallen dürfen.
Clancy ist hier schöne Kritik an der Realität des politischen Systems gelungen: den politisch unerfahrenen Ryan lässt er naiv, aber sehr effektiv an die Aufgabe herangehen, eine neue Regierung zu bilden – und zwar nach dem Tenor “Ich brauche keine Politiker, ich brauche fähige Leute, die etwas bewegen”.

Die Stunde der Patrioten (Patriot Games)

, Teil 2

(Berkley 1988, 503 Seiten, 0-425-10972-0)

Bisschen langatmiger und recht platter Jack-Ryan-Roman.

Jack Ryan ist mit Frau und Tochter in London, um für sein neuestes Buch zu recherchieren. Die drei geraten dort durch Zufall mitten in einen Anschlag irischer Terroristen auf die walisische Königsfamilie. Jacks Soldatenausbildung schlägt sofort durch, und bevor er über sein Tun nachdenken kann, ist er zwar angeschossen, hat aber auch die Angreifer außer Gefecht gesetzt.
Nachdem er wieder aus dem Krankenhaus entlassen und inzwischen von der britischen Königin zum Ritter geschlagen wurde, will er – wieder daheim in den USA – herausbekommen, was hinter dem Anschlag steckte: nach einem Mordanschlag sah die Aktion für Ryan nicht aus. Doch das macht ihn und seine Familie jetzt auch zum Ziel derer, die es auf die walisischen Royals abgesehen haben. Trotzdem setzt sich Ryan mit Bekannten bei der CIA in Verbindung, mit der er früher schon zusammengearbeitet hat, um Antworten zu finden.

Patriot Games basiert auf einer recht brauchbaren, wenn auch nicht sonderlich originellen Idee. Clancy hat daraus einen stellenweise spannenden, aber streckenweise auch etwas langatmigen Roman geschrieben – für 500 eng bedruckte Seiten ist die Handlung dann doch etwas dünn.
Der Autor hat hier, wie auch in anderen Romanen mit Jack Ryan als Hauptfigur, einen etwas schwierig festzumachenden Schreibstil, ich würde ihn vielleicht beschreiben als teilweise recht erfrischend, aber ohne besonderen Tiefgang. Wer andere Romane aus der Reihe mag, wird sicherlich auch an Patriot Games Gefallen finden – mir persönlich liegen diese Romane nicht so.
In mehrerlei Hinsicht fand ich Patriot Games allenfalls durchschnittlich.

Red Storm Rising

(Goldmann 1994, 734 Seiten, 3-442-44467-5)

Wer sich an den moralischen Fragwürdigkeiten eines Kriegsromanes nicht stört, erlebt eine sehr genaue, spannende und glaubwürdige Schilderung eines möglichen dritten Weltkrieges.

Nach einem Anschlag auf eines der größten sowjetischen Ölfelder und die angeschlossene Raffinerie droht der Sowjetunion eine Ölknappheit. Um dieses Problem zu vermeiden, beschließt das Politbüro eine Eroberung der arabischen Ölfördernationen. Um dies bewerkstelligen zu können, erscheint es Moskau jedoch nötig, die NATO erheblich zu schwächen. Dazu wird ein Feldzug gegen Westeuropa geplant.
Dieser wird dann auch durchgeführt und ein gewaltiger Krieg beginnt…

Tom Clancy hat mit Im Sturm einen mitreißenden und äußerst spannenden Kriegsroman geschaffen. Es gelingt ihm, den Leser in die Kampfsituationen einzubeziehen und beschreibt dabei Technik und Strategie sehr präzise.
Clany wählt eine vom Geschehen distanzierte Perspektive und vermeidet bewusst moralische Fingerzeige und tragische Einzelschicksale, beschreibt dagegen den Krieg in seiner strategischen Kaltheit. Dies mag zwar wenig moralisch sein, schafft aber eine spannende und weite Atmosphäre, die den Leser gefangen nimmt und ihn geradewegs in die Strategiezentrale einer Großmacht versetzt.