Alle Kritiken zu Ken Follett

Das zweite Gedächtnis (Code to Zero)
 Der dritte Zwilling (The Third Twin)
 Die Leopardin (Jackdaws)
 Die Pfeiler der Macht (A Dangerous Fortune)
 Die Pfeiler der Macht (A Dangerous Fortune)
 Die Säulen der Erde (The Pillars of the Earth)
 Dreifach (Triple)
 Mitternachtsfalken (Hornet Flight)
 Sturz der Titanen (Fall of Giants)

Alle Berichte zu Ken Follett

19. November 2010 Buchlinks zum Wochenende II
18. November 2010 Die Säulen der Erde – gut verfilmt
4. August 2010 Die Säulen der Erde verfilmt

Mitternachtsfalken (Hornet Flight)

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(Pan Books 2003, 580 Seiten, 0-330-49068-0)

Spannender Spionageroman aus dem dänischen Widerstand gegen die Nazi-Besatzung.

Harald Olufsen, ein junger Däne, ist 1941 fast mit der Schule fertig und gar nicht froh über die deutsche Besatzung Dänemarks. Auf einem militärischen Gelände der Nazis entdeckt er eine gut versteckte Antennenanlage, die er sich aus Neugier genauer anschaut.

Währenddessen hat die britische Luftwaffe bei Angriffen auf Deutschland immer mehr Verluste zu beklagen, und die britische Agentin Hermia Mount vermutet dahinter besondere Erfolge der Nazis bei der Entwicklung eines Radarsystems, das irgendwo an der dänischen Küste installiert sein muss. Zusammen mit ihrem dänischen Verlobten bei der – von den Nazis fast lahmgelegten – dänischen Luftwaffe will sie Genaueres herausfinden, und so dauert es nicht lange, bis Hermia und Harald an einem Strang ziehen.

Nach Jackdaws schon wieder ein Roman aus der Zeit des zweiten Weltkrieges – ob Follett da nicht langsam der Stoff ausgeht? Ein klares Nein! Auch Hornet Flight ist wieder ein sehr spannender und ausgesprochen interessanter Roman. über den skandinavischen und insbesondere dänischen Widerstand gegen die Nazis liest man ja sonst relativ wenig, schon alleine das macht Hornet Flight lesenswert. Die wesentliche Handlung des darum gebauten Romans besteht darin, einen Satz Photos aus Dänemark nach Großbritannien zu schmuggeln. Follett schafft es, daraus fast 600 Seiten zu machen, ohne dass es irgendwo langatmig würde, und trotzdem den Roman nicht mit spektakulären Nebenhandlungen zu überfrachten. Dabei macht der Autor die Sichtweisen der einzelnen Personen sehr schön deutlich. Follett hat es wieder einmal geschafft, die auf meinem Lesezeichen beworbene Tasse Tee, die zu einer gemütlichen Lesestunde gehört, mehrmals kalt werden zu lassen.

Äußerst spannender geschichtlicher Roman über eine Londoner Bankiers-Familie.

1866 passiert unweit des exklusiven Winfield-Internats ein Unfall – eigentlich besteht ein Ausgangsverbot für die Schüler, einige gehen jedoch trotzdem in einem nahegelegenen Steinbruch schwimmen, und ein nicht ernst gemeinter Streich unter den Jungen endet für einen von ihnen schließlich tödlich. Jahre später treffen die damals beteiligten in der Londoner feinen Gesellschaft wieder aufeinander, zwei unter ihnen als Mitglieder der Pilaster-Familie, der eine erfolgreiche Geschäftsbank in London gehört. In der Bank gibt es erbitterte Streitereien um die Geschäftsführung, und das nicht zuletzt, da die Mutter/Tante zweier der Beteiligten im Hintergrund ständig Intrigen anzettelt, um ihren Sohn zu bevorteilen.

Ähnlich wie in The Great Train Robbery zeichnet Follett hier ein ausgesprochen lebhaftes Bild des England im 19. Jahrhundert. Dazu eine recht bunte Mischung der beteiligten Personen, eine hervorragend zusammengesetzte, spannende Geschichte, die den Leser bis zum Ende festhält – kurz gesagt, Folletts übliche Zutaten für einen hervorragenden Roman.

Gigantisches Geschichtsepos vom Meister des Genres

Im Jahre 1135 zieht der Baumeister und Steinmetz Tom Builder mit seiner Familie hungernd durch England. Seine Frau Agnes ist hochschwanger und es bereitet ihnen zusehends Mühe sich zu ernähren. Bei der Geburt ihres Sohnes stirbt Agnes und die Familie beschließt, das Neugeborene bei seiner Mutter sterben zu lassen, da sie es nicht ernähren können. Nach einiger Zeit bereut Tom aber seine Entscheidung und kehrt zu dem Grab zurück. Der Säugling jedoch ist verschwunden. Bald treffen Tom und seine beiden Kinder Alfred und Martha dann auf die mysteriöse Ellen und ihren Sohn Jack, die als Outlaws im Wald leben. Ellen erzählt ihnen, das ein Mönch den Säugling gefunden und ihn in eine nahegelegene Zelle der Priorei Kingsbridge gebracht habe. Sie führt Tom zu dem Kloster und zeigt ihm seinen Sohn. Tom beschließt, ihn so lange bei den Mönchen zu lassen, bis er ihn selber ernähren kann. Zusammen mit Ellen und Jack ziehen sie weiter. Derweil erfährt Philip, der Prior der kleinen Zelle unangenehme Neuigkeiten von seinem Bruder: Nachdem der König ohne legitimen Erben starb wurde Stephan von der Kirche und den Grafen zum König ernannt. Jedoch wollen zwei Grafen die vom König gewünschte Erbin auf den Thron setzen und planen einen Aufstand. Philip soll nun den Aufstand dem Bischof von Kingsbridge verraten, um ihn so zu stoppen. In Kingsbridge angekommen erfährt Philip vom Tod des Priors des Klosters und wird kurz darauf selber Prior. Dafür muss er jedoch dem Assistenten des Bischofs, Waleran Bigod, versprechen ihn zu unterstützen, wenn der Platz des Bischofs von Kingsbridge zur Disposition steht. Unterdessen hat Tom als Baumeister eine Anstellung bei Graf Bartholomäus von Gloucester, einem der Verschwörer, erhalten. Doch bevor er mit der Verbesserung der Verteidigungsanlagen beginnen kann wird die Burg von Percy Hamley eingenommen und Bartholomäus an den König verraten. Tom steht wieder ohne Arbeit da und die Kinder von Bartholomäus, Aliena und Richard, müssen fliehen. Auf seiner weiteren Wanderung kommt Tom nach Kingsbridge, wo er in dem Kloster eine Nacht verbringt. Während dieser Nacht aber zündet Jack die heruntergekommene Kathedrale der Stadt an, weil er hofft, Tom so zu Arbeit verhelfen zu können. Jacks Plan funktioniert und Tom wird von Philip zum Baumeister der neuen Kathedrale gemacht. Tom beginnt nun mit den Planungen und will seinen Traum verwirklichen. Dabei müssen er und Prior Philip jedoch mit Widerstand kämpfen. Zum einen ist dort Waleran Bigod, den Philip einmal ausgetrickst hat und der geschworen hat Philip werde seine Kathedrale niemals bauen. Zum anderen gibt es noch William Hamley, Sohn und Erbe von Percy Hamley, der neue Graf von Shiring, der Grafschaft in der Kingsbridge liegt. Beide tun von nun an alles, um den Bau der Kathedrale zu verhindern.

Wie diese Inhaltsangabe so ist auch der erste Eindruck von The Pillars of the Earth: lang. Allerdings ist jede der 983 klein bedruckten Seiten eine einzige Freude. Follett schreibt so lebendig und fesselnd, wie ich es bisher selten erlebt habe. Bisher kannte ich zwei Arten von historischen Romanen: Zum einen die epischen Werke, deren Handlung sich über Jahre erstreckt, die aber selten detailliert auf einzelne Ereignisse oder Neben-Charaktere eingehen, und zum anderen detaillierte Betrachtung kurzer Zeitspannen oder einzelner Personen. In The Pillars of the Earth weiß Follett beides meisterhaft zu verbinden. Die Handlung die er beschreibt würde einem historischen Roman bereits zur Ehre gereichen, doch er kombiniert dies mit so lebendigen und realistischen Charakteren, dass man bald glaubt, Follet habe dies alles wirklich erlebt. Dabei konzentriert er sich auch nicht nur auf einen Charakter sondern lässt selbst weniger wichtigen Figuren Zeit, sich zu entwickeln. Tom wird zu Beginn als der Ehrgeizige Baumeister hingestellt, dessen größter Traum es ist, eine eigene Kathedrale zu errichten. Doch durch seine Liebe zu Ellen und den Problemen mit denen er sich in der Realität konfrontiert sieht ist er am Ende sogar bereit, auf die Verwirklichung seines Traums zu verzichten um Ellen nicht zu verlieren. Sehr gelungen ist auch Folletts Darstellung von Toms Problemen mit dem Konflikt zwischen seinem leiblichen Sohn Alfred und seinem Adoptivkind Jack, die sich gegenseitig verabscheuen. Auch die Atmosphäre der Zeit fängt Follett gekonnt ein.In beeindruckender Weise zeigt er dem Leser die Anarchie die während des Nachfolgekrieges herrscht und die Intrigen innerhalb der Politik und der Kirche auf. Dabei bleibt die Geschichte stets logisch und nachvollziehbar. Ich könnte jetzt noch mehrere Seiten über die Vorteile dieses Romans schreiben, möchte euch aber nicht viel mehr über dieses absolut geniale Buch verraten.

A Dangerous Fortune

(Bastei-Lübbe 1994, 636 Seiten, 3-404-12501-0)

Die Pfeiler der Macht ist ein sehr gutes episches Werk, in dem Ken Follett sein ganzes erzählerisches Talent auslebt.

Das Buch beschreibt die Geschichte des angesehenen englischen Bankhauses Pilaster von 1873 bis 1890. Dabei beschreibt es ein Netz von Intrigen, Vetternwirtschaft und gesellschaftlichem Ansehen. Augusta, die rücksichtslose Ehefrau von Joseph Pilaster zieht hinter den Kulissen die Fäden in der Bank. Sie verfolgt skrupellos ihre Ziele und macht dabei vor nichts und niemandem halt. Allerdings gelingt es Micky Miranda, dem einzigen Freund ihres Sohnes Edward, sie für sich einzunehmen und für seine Zwecke zu benutzen. Er versucht nämlich zusammen mit seinem Vater eine Revolution in Cordoba, einem südamerikanischen Staat anzuzetteln. Das für diese nötige Geld kann er der Bank mit Hilfe von Edward, der durch Augustas Hilfe Seniorparter der Bank geworden war, abnehmen. Doch schon bald wird Edward als Seniorpartner abgesetzt und Hugh, der lange Zeit das schwarze Schaf der Familie war, wird zu seinem Nachfolger ernannt. Er erkennt, dass die Cordoba Anleihen sehr riskant sind, und kurz darauf kommt es dann auch zum Crash. Doch nicht nur die Geschichte der Bank wird in dem Buch beschrieben, sondern auch auf das übrige Leben und Denken der Hauptpersonen Hugh Pilaster, Edward Pilaster, Augusta Pilaster und Micky Miranda wird in großem Maße eingegangen. Der Autor beschreibt auch die Liebesgeschichten von Hugh und Edward und beschreibt dabei auch den Einfluß der Gesellschaft auf die Partnerwahl, bzw. ihre Reaktion auf die “Falsche”.

Ken Follett gelingt es eine Atmosphäre zu schaffen, die den Leser von der ersten Minute gefesselt hält. Es gelingt ihm dem Leser einen wirklichen Eindruck von den Personen gewinnen zu lassen. Die Rollen, die Personen in dem Buch übernehmen werden zwar ziemlich früh klar, jedoch wirkt das Buch niemals langweilig oder einfallslos.

Das zweite Gedächtnis (Code to Zero)

(Signet 2001, 452 Seiten, 0-451-20409-3)

Ein spannender und fesselnder, aber etwas schlicht geratener Thriller vom Erfolgsautor.

Luke wacht eines Morgens auf einer Bahnhofstoilette in der Washingtoner Union Station auf und kann sich an nicht erinnern. Er weiß nicht, wie er heißt, wo er herkommt, noch nicht einmal, was er am Abend zuvor gemacht hat. Nachdem er einige Zeit durch die Stadt geirrt ist, bemerkt Luke instinktiv, dass er verfolgt wird. Ihm gelingt es, seine Verfolger abzuschütteln. Irgendwie scheint er Erfahrung damit zu haben. Auf seiner weiteren Odyssee durch Washington wird er von einem Polizisten angegriffen, kann ihn aber überwältigen und fliehen. In einer Bibliothek findet Luke dann heraus, dass er Raketenmechaniker ist. Ob er etwas mit dem Satelliten zu tun hat, der am nächsten Tag als erster amerikanischer Satellit in den Erdorbit geschossen werden soll? Auf jeden Fall ist er am Tag zuvor Hals über Kopf aus Cape Canaveral nach Washington abgereist, das muss doch einen Grund gehabt haben. Dann trifft er auf Billie, seien Jugendliebe und langjährige Freundin, die ihm hilft, das Puzzle seiner Vergangenheit wieder zusammenzusetzen.

Code to Zero ist ein weiterer stringenter, spannender, aber auch einfacher Thriller aus der Feder von Ken Follett. Wie schon bei Die Kinder von Eden setzt Follett nicht auf epische Erzählbreite wie in The Pillars of the Earth (Die Säulen der Erde), sondern auf eine stringente, spannende Handlung. Dabei zeigt Follett, dass er nicht nur mittelalterliche Atmosphären aufbauen kann, sindern es auch versteht, den Leser an eine spannende Handlung zu fesseln. Dabei bedient er sich eigentlich ganz einfacher Mittel: Man nehme einen Wissenschaftler und ein großes Geheimnis, vermische es mit einer Portion Verschwörung und garniere das ganze mit einer Liebesgeschichte. Es ist aber erstaunlich, wie gut es Follett gelingt, dieses Rezept dem Leser vorzusetzen. Durch geschickt eingestreute Rückblenden erfährt der Leser mehr über die Protagonisten, ohne dadurch aber in der Handlung weiter zu kommen. So blättet man jedes Mal in der Hoffnung um, doch nun einen weiteren Mosaikstein präsentiert zu bekommen. Leider fällt die Auflösung des ganzen dann doch ein wenig flach aus und auch in der zugrundeliegenden Verschwörung hätte man Follett etwas mehr Kreativtät zutrauen können.