Alle Kritiken zu Ken Follett

Das zweite Gedächtnis (Code to Zero)
 Der dritte Zwilling (The Third Twin)
 Die Leopardin (Jackdaws)
 Die Pfeiler der Macht (A Dangerous Fortune)
 Die Pfeiler der Macht (A Dangerous Fortune)
 Die Säulen der Erde (The Pillars of the Earth)
 Dreifach (Triple)
 Mitternachtsfalken (Hornet Flight)
 Sturz der Titanen (Fall of Giants)

Alle Berichte zu Ken Follett

19. November 2010 Buchlinks zum Wochenende II
18. November 2010 Die Säulen der Erde – gut verfilmt
4. August 2010 Die Säulen der Erde verfilmt

Ken Follett

Science-Fiction Kurzgeschichten

Als ich vor ein paar Monaten mitbekam, dass eines meiner Lieblingsbücher, Die Säulen der Erde von Ken Follett, verfilmt wird, war ich eher skeptisch. Eine solch komplexe und umfangreiche Story in einem aufwendigen historischen Setting in einer Fernsehproduktion umzusetzen, stellte ich mir äußerst schwierig vor.

Nachdem ich am Montag aber den ersten Teil in der deutschen Übersetzung auf SAT1 gesehen habe, muss ich sagen, dass ich positiv überrascht bin. In den ersten zwei von insgesamt acht Stunden halten die Filmemacher sich ziemlich eng an das Buch, auch wenn sie die Dramaturgie an einigen Stellen ein wenig umstellen und an der ein oder anderen Stelle die Geschehnisse ein wenig stärker dramatisieren, als das im Buch der Fall war. Die Kulissen sind auf jeden Fall sehr aufwendig und passend und auch die Schauspieler passen ganz gut in ihre Rollen, auch wenn sie nicht immer meinem Bild von der jeweiligen Figur entsprechen.

Wer die erste Folge gesehen hat, wird ohnehin schon wissen, dass es sich wahrscheinlich lohnen wird, auch die nächsten drei Montagabende von dem Fernseher zu sitzen. Wer sie verpasst hat, hat jedoch noch die Chance, sie sich im Internet anzusehen: SAT1

Weitere Links

Sturz der Titanen (Fall of Giants)

, Teil 1

(Lübbe 2010, 1024 Seiten, 978-3-7857-2406-4)

Mehr erzählte Geschichte als historischer Roman, aber die 1000 Seiten lohnen sich auf jeden Fall.

Sturz der Titanen von Ken FollettErster Satz: An dem Tag, als George V. in der Westminster Abbey den Thron bestieg, fuhr Billy Williams zum ersten Mal in die Grube von Aberowen ein.

Ken Follett ist sicherlich einer der großen Unterhaltungsautoren unserer Zeit. Angefangen bei seinen Spionage-Romanen (z.B. Die Nadel oder Die Leopardin) über aktuelle Thriller (Die Kinder von Eden oder Der dritte Zwilling) und natürlich historische Romane (Die Säulen der Erde, Die Pfeiler der Macht) ist er in vielen Genres zuhause. Mein persönlicher Favorit sind jedoch seine historischen Romane und Die Säulen der Erde gehört immer noch zu  meinen absoluten Lieblingsbüchern. Daher war ich sehr froh, als auf der Homepage von Lübbe die Ankündigung seines neuesten Romans auftauchte: Ein farbenprächtiges Porträt der europäischen Geschichte des beginnenden 20. Jahrhunderts.

Nachdem das Rezensionsexemplar (herzlichen Dank dafür an Lübbe) schon kurz vor dem Erscheinungstermin im Briefkasten lag, hat mich ein spontaner Masernausbruch leider daran gehindert, mich sofort in die Seiten zu vertiefen. Diese Woche war ich dann zwar immer noch krank, aber fit genug, um mich von Follett hundert Jahre in die Vergangenheit entführen zu lassen.

In diesem Wälzer nimmt sich Follett ein paar europäische Familien und Figuren und schickt sie durch die Entstehung, den Verlauf und die Nachwehen des Ersten Weltkriegs. Da er dabei sowohl deutsche, als auch britische, russische und amerikanische Figuren in den Mittelpunkt rückt, kann er den Leser an die Hand nehmen und durch die geschichtlichen Ereignisse dieser Zeit führen: Da ist der britische Earl, für den Krieg eine Frage der britischen Ehre und des Bestandes des Empires ist, der walisische Bergmann, der als Soldat in den Schützengräben Frankreichs und Belgiens kämpft, der russische Arbeiter, der zu einem Vorkämpfer der Oktoberrevolution wird und der deutsche Offizier, der gegen den Willen seines erzpreußischen Vaters eine geheime Beziehung zu einer Engländerin (der Schwester des oben erwähnten Earls) unterhält. Ach ja, nicht zu vergessen, die Schwester des Bergarbeiters, die von besagtem Earl geschwängert wird und beginnt, für die Rechte der Frauen einzutreten, der junge Berater des amerikanischen Präsidenten und der russische Emigrant, der sich in den USA mit einer zwielichtigen Familie einlässt. So hat Follett ein buntes Repertoire an Figuren, die es ihm ermöglichen, den Leser sowohl zu den Friedensverhandlungen in Versailles als auch in die Hinterzimmer der russischen Revolution und die inoffiziellen Empfänge der britischen Aristokratie mitzunehmen.

Trotz dieser vielversprechenden Ausgangsposition und seinen Fähigkeiten, eine Geschichte zu erzählen, hat mich Follett mit Sturz der Titanen nicht restlos überzeugen können: Zu deutlich scheint in dem Roman durch, dass die Figuren in erster Linie dazu da sind, den Leser an die entscheidenden Stellen der Geschichte mitzunehmen. Auf diese Weise wirkt der Roman oft eher wie ein sehr gut und sehr unterhaltsam geschriebenes Geschichtsbuch als wie ein “echter” Roman. Auch dass Follett seine Hintergründe außerordentlich gut recherchiert hat und selbst schreibt: “Entweder ist die Szene so geschehen, oder sie hätte so geschehen können.” weist darauf hin, dass hier wenig dichterische Freiheit zu finden ist. Dadurch wird die Handlung leider sehr vorhersehbar, da sich Follett auf die historischen Ereignisse konzentriert und seine Figuren doch über weite Strecken ein wenig stiefmütterlich behandelt. Auch sind es für meinen Geschmack zu viele Zufälle, die die unterschiedlichen Personen im Laufe des Romans und der Geschichte immer wieder aufeinandertreffen lassen.

Gleichzeitig gelingt es ihm jedoch, die Atmosphäre der Zeit hervorragend einzufangen: Angefangen bei seinem stimmungsvollen Einstieg mit einer Schilderung des Lebens in einer walisischen Bergbausiedlung bis hin zu sprachlichen Besonderheiten, die er seinen Figuren verpasst. Gerade die Zeit, in der sich der Krieg anbahnt, obwohl ihn eigentlich niemand so wirklich will, ist mir in einigen Szenen ein Schauer über den Rücken gelaufen, weil ich eben schon wusste, dass alle Hoffnung auf eine friedliche Lösung vergeblich sein wird. Hier setzt dann der Titanic-Effekt ein: Jeder weiß, wie es ausgeht doch trotzdem – oder gerade deswegen – kann man das Buch kaum aus der Hand legen.

Insgesamt kann ich Sturz der Titanen jedem empfehlen, der sich für Geschichte interessiert und der gerne gut recherchierte historische Romane liest. Das Buch ist jedoch in einen meinen Augen eher eine erzählte Geschichte als ein typischer historischer Roman, liefert aber eine spannende und detaillierte Beschreibung des Ersten Weltkriegs, seiner Entstehung und seiner Konsequenzen.

BC Challenge-Banner Das Buch war für mich gleichzeitig der erste Schritt auf der Challenge Der Geschichte auf der Spur (meine Leseliste) und ich kann damit die Station Erster Weltkrieg abhaken.

Als ich das klassische Werk von Ken Follet vor fast 10 Jahren das erste Mal gelesen habe, haben mich die Geschichte, die Atmosphäre und die Charaktere umgehauen und wie im Nu verflogen die immerhin 983 englischen Seiten. Gerade habe ich gesehen, dass das Mammutwerk in den USA jetzt verfilmt worden ist. Seit dem 23. Juni läuft hier eine achtstündige Miniserie.

Ich hoffe mal, dass die Serie möglichst schnell auch ihren Weg nach Deutschland findet (und sei es als DVD-Import), auch wenn ich nicht verhehlen kann, dass ich skeptisch bin, ob die Verfilmung ihrem genialen Vorbild gerecht werden kann. Auch die kongeniale Hörspielversion des WDR von 1999 hat mich hier wahrscheinlich sehr verwöhnt.

Wenn ihr euch selber ein Bild machen wollt, gibt es natürlich eine aufwändig gestaltete offizielle Homepage und bei BSCReview weitere Ausschnitte.

Dreifach (Triple)

(Signet 1980, 341 Seiten, 0-451-16354-0)

Spannender Spionageroman um einen nuklearen Wettlauf.

Als es sich Ende der 1960er Jahre abzeichnet, dass Ägypten Fortschrite bei der Entwicklung einer Atombombe macht, versucht Israel, ebenfalls Atomwaffen zu bauen. Doch es ist äußerst schwierig, unbemerkt eine hinreichende Menge spaltbaren Materials zu besorgen. Mossad-Agent Nat Dickstein versucht einen unmöglichen Plan: Er will während eines Schifftransportes unbemerkt 200 Tonnen spaltbaren Materials stehlen.

Mit Triple hat Follett einen spannenden Spionageroman geschrieben, in dem er sehr schön das Gegeneinander von KGB, Mossad, ägyptischem Geheimdienst und einer Terroristengruppe schildert. Die eigentliche Sinnlosigkeit des Konflikts (dafür, dass Triple am Ende der 1970er Jahre spielt, ist es erstaunlich, fast erschreckend, aktuell) beschreibt der Autor schön daran, dass sich einige der beteiligten Personen von früher gut kennen und aus den ehemaligen Freunden nun Gegner geworden sind. Einzig die häufigen Szenenwechsel lassen die Handlung etwas hektisch wirken. Ohne Triple als schlecht darstellen zu wollen – bis heute hat sich Follett in seinen späteren Büchern noch ein ganzes Stück gesteigert.

Der dritte Zwilling (The Third Twin)

(Pan Books 1997, 629 Seiten, 0-330-34837-X)

Die junge Wissenschaftlerin Jeannie Ferrami sucht für ihre Forschung nach Zwillingen, die getrennt von einander aufgewachsen sind. Dabei stößt sie auf Steve Logan, der beschuldigt wird, ihre Freundin Lisa vergewaltigt zu haben. Steve ist überhaupt nicht der Typ dafür und beteuert seine Unschuld, doch ein DNA-Test spricht gegen ihn. Außer Steve kommt jedoch nur dessen eineiiger Zwillingsbruder in Frage, und der hat ein unerschütterliches Alibi: Er sitzt im Gefängnis. Gibt es etwa noch einen dritten Zwilling? Durch ihre Forschung kommt Jeannie einem Firmenzusammenschluss in die Quere und wird von ihrer Universität gefeuert. Doch sie wird – jetzt erst recht – neugierig, welchem dunklen Geheimnis sie auf der Spur ist. Zusammen mit Steve findet sie wirklich einen dritten Zwilling, doch das soll noch nicht die letzte Überraschung sein.

The Third Twin hat mir gut gefallen, weil Follett hier ein interessantes Thema in eine spannende Geschichte verpackt hat. Die Frage, wie weit die Wissenschaft gehen darf und wie weit sie gehen kann, wenn skrupellose Militärs und Geschäftsleute mitmischen, ist nach wie vor hochaktuell. Und die durchaus realitätsnahe Handlung des Buches lässt den Leser bis zum Ende nur schwer los.

Die Leopardin (Jackdaws)

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(Pan Books 2002, 595 Seiten, 0-330-48738-8)

Interessante Handlung, gekonnt in einen spannenden Roman umgesetzt.

Felicity Clairet, genannt Flick, ist als britische Agentin an einem Anschlag der Résistance auf einen Knotenpunkt der deutschen Kommunikation im besetzten Frankreich beteiligt. Der Anschlag misslingt, und Flick fasst einen genialen Plan, um es erneut zu versuchen: Mit einem als Putzfrauen verkleideten Trupp will sie in das Gelände hineinkommen und die für die Nazis äußerst wichtigen Kommunikationsanlagen zerstören. Doch das ist leichter gesagt als getan: Die Invasion steht kurz bevor, es muss also sehr schnell gehen. Tatsächlich bekommt Flick schnell sechs Helferinnen (eine zumindest dem Anschein nach weiblich) zusammen, aber einmal unterwegs sind die »Dohlen«nicht nur äußeren Gefahren ausgesetzt, sondern machen sich mit Spannungen innerhalb der Gruppe das Leben nicht unbedingt einfacher.

Normalerweise hätte ich ein Buch mit diesem Klappentext sofort wieder zur Seite gelegt: Nicht nur eine WWII-Geschichte, sondern es hört sich dann auch noch nach einem Emanzen-Roman an. Aber immerhin ist »Jackdaws«ja von Ken Follett, und der wird da schon etwas gescheites draus gemacht haben… Und tatsächlich schafft der Autor es, auf sehr lebhafte Weise zu schlidern, wie die Résistance in der Zeit vor der Invasion sich gegen die Nazi-Besatzer gewehrt hat, wenn mir die Rolle der Unterstützung durch den britischen Geheimdienst etwas überbewertet dargestellt vorkommt. Dabei schildert er auch, was für eine Bedeutung Spionage und Gegenspionage zukam und mit welch menschenverachtender Begeisterung die deutschen Besatzer Foltermethoden anwandten, um Informationen zu gewinnen. Auch die eigentliche Handlung, mit welchen Schwierigkeiten die »Dohlen«auf ihrer Mission zu kämpfen haben, ist hervorragend umgesetzt. Follett schafft es wie nur wenige andere Autoren, den Leser über fast 600 Seiten bei der Stange zu halten, indem er im genau richtigen Moment das Kapitel wechselt, um die Spannung immer wieder aufrecht zu erhalten.