Alle Kritiken zu Jack Vance

Planet der Ausgestoßenen (The Big Planet)

Alle Berichte zu Jack Vance

12. Mai 2010 Stoff! Ich brauch mehr Stoff!

Da ganz normales Lesen abends im Sessel oder unterwegs im Zug auf die Dauer ein wenig eintönig ist, habe ich für morgen (und übermorgen) was spannenderes geplant: Von 10 Uhr am Donnerstagmorgen bis 10 Uhr am Freitag wird 24 Stunden am Stück gelesen. Und da man sowas ungerne alleine in Angriff nimmt (und ich von alleine auch niemals auf diese Schnapsidee gekommen wäre), findet das ganz im Rahmen des 2. Lesemarathons bei Lovelybooks statt. Hier in diesem Beitrag werde ich euch dann im Laufe des Tages immer wieder von dem Experiment berichten.

Mittwoch, 23:14 Uhr

Bevor es ins Bett geht, hier noch die Bücher, die ich mir für morgen bereit gelegt habe. Natürlich werde ich nicht alle davon lesen können, aber wenn ich zwei oder sogar drei durchbekomme, bin ich vollkommen zufrieden.

Den Anfang wird auf jeden Fall mein aktuelles Buch Halting State von Charles Stross machen. Danach folgt wahrscheinlich Sonea – Die Hüterin von Trudi Canavan. Wenn dann noch Lust und Energie übrig sind, stehen noch zur Auswahl:

Bis morgen dann, ich geh jetzt vorschlafen.

Donnerstag, 11:05 Uhr

Eine Stunde lesen ist ja noch nicht wirklich viel, daher gibt es auch noch nicht viel zu berichten. Fühlt sich aber irgendwie meerkwürdig an, die nächsten 23 Stunden kaum etwas anderes tun zu werden, als auf dem Rücken zu liegen oder im Sessel zu sitzen und zu lesen. Auf jeden Fall hab ich danach wieder viel Material für die kritische Seite.

12:09

Mitten im Showdown vom ersten Buch. Danach geht es dann vom Cyberpunk-Thriller zu Fantasy…

13:06

Jetzt bewege ich mich nicht mehr im Schottland des Jahres 2018, sondern in Kyralia und steige gerade in das druckfrische Rezensionsexemplar von Sonea – Die Hüterin von Trudi Canavan ein. Die ersten 60 Seiten versprechen schon recht viel.

14:08

Wie von Trudi Canavan nicht anders zu erwarten, ist das Buch bislang einfach süffig und liest sich wunderbar weg. 82 Seiten in 55 Minuten sprechen da eine deutliche Sprache.

18:06

Nach acht Stunden und knapp 550 Seiten ist der erste Schwung an Energie und Konzentration aufgebraucht. Ist aber irgendwie spannend zu beobachten, wie ein Tag vorbeifließt, während man einfach so in einem Buch versunken ist. Wenn es dann auf einmal 18 Uhr ist, fragt man sich schon, wo der Tag hin ist und erinnert sich dann an die Reisen und Abenteuer, die man bereits erlebt hat und die einem kein “realer” Tag geboten hätte. Nun mach ich auf jeden Fall mal etwas langsamer, schau ein wenig Fußball und lese dabei ein paar Seiten.

21:28

Nach insgesamt 11 Stunden Lesemarathon habe ich das erste vollständige Buch durch. Und ich muss sagen, dass Sonea – Die Hüterin ein durchaus würdiger Nachfolger der Reihe Die Gilde der schwarzen Magier ist. Eine ausführliche Rezension folgt dann im Laufe des Wochenendes. Nun werde ich mal wieder das Genre wechseln und mich mit Denken hilft zwar, nützt aber nichts von Dan Ariely zu den Sachbüchern begeben.

Freitag, 01:12 Uhr

Jetzt liegt auch t Denken hilft zwar, nützt aber nichts von Dan Ariely hinter mir und die letzte Stunde oder zwei widme ich mich jetzt noch Kind der Zeit von Isaac Asimov und Robert Silverberg.

Freitag, 01:55

Mit 1022 gelesenen Seiten in 15,5 Stunden beschließe ich jetzt auch mal, dass es Zeit für’s Bett wird. Ein Tempo von mehr als 60 Seiten pro Stunde hätte ich mir am Anfang über die lange Strecke echt nicht zugetraut und mit viel Wille, ginge es wohl auch noch eine oder zwei Stunden, aber da mir morgen ein Familienbesuch und 25 Kilometer auf dem Fahrrad bevorstehen, will ich doch noch ein paar Mützen Schlaf abbekommen. Mehr zu den gelesenen Büchern gibt es dann in der nächsten Zeit an dieser Stelle.

Ein klasse Buch.

Der “Große Planet”ist ein Planet gigantischen Umfangs. Er wurde vor langer Zeit von Menschen besiedelt, die die globale Kontrolle satt hatten. Sie leben nun in vielen Kleinstaaten, jeder mit seinen eigenen Gesetzen und Riten. Auf dem Planeten finden sich z.B. Anarchisten, Dissidenten und alle Arten von Abweichlern. Als nun eine Kommission von der Erde den Planeten besuchen will, stürzt ihr Raumschiff wegen eines Sabotageaktes ab. Mitten im Dschungel werden sie dabei in einem kleinen Dorf aufgenommen. Dieses Dorf liegt nicht weit entfernt von der Stadt Beaujolais. Doch deren Herrscher dehnt sein Gebiet mit Gewalt aus und hat kein Interesse daran, dass die Kommission von der Erde überlebt. Daher sehen sich die Menschen gezwungen, die 40.000 Meilen entfernt liegende Erd-Enklave aufzusuchen. So machen sie sich auf einen beschwerlichen und gefährlichen Fußmarsch. Dabei treffen sie auf die merkwürdigsten Menschen und Kleinstaaten und müssen dabei noch einen Verräter unter sich finden.

Jack Vance zeichnet ein faszinierendes Bild einer anarchistischen Welt. Dabei zeigt er schön auf, wie sich die einzelnen Staaten auseinander gelebt haben, und wie sie nun ihre Zwistigkeiten austragen. Die Charaktere bleiben dabei ständig glaubwürdig, bleiben allerdings nur Hüllen. Vance füllt seine Figuren nicht so stark mit einer eigenen Persönlichkeit aus und beschränkt sich zumeist auf das Beschreiben der Geschehnisse. Hier hätte man durchaus dem Roman noch etwas mehr Leben verschaffen können, denn insgesamt war er mir doch etwas zu kurz. Die Geschehnisse aber beschreibt Vance so lebendig, dass es schwer fällt, das Buch aus der Hand zu legen und es so recht schnell durchgelesen ist. Die relative Kürze ist für mich aber der deutlichste Schwachpunkt dieses Buches, da der “Große Planet”noch viel weiteres interessantes und aufregendes Potential geboten hätte