Alle Kritiken zu Isaac Asimov

& Der positronische Mann (The Positronic Man)
 Einbruch der Nacht (Nightfall)

Alle Berichte zu Isaac Asimov

12. Mai 2010 Stoff! Ich brauch mehr Stoff!

Da ganz normales Lesen abends im Sessel oder unterwegs im Zug auf die Dauer ein wenig eintönig ist, habe ich für morgen (und übermorgen) was spannenderes geplant: Von 10 Uhr am Donnerstagmorgen bis 10 Uhr am Freitag wird 24 Stunden am Stück gelesen. Und da man sowas ungerne alleine in Angriff nimmt (und ich von alleine auch niemals auf diese Schnapsidee gekommen wäre), findet das ganz im Rahmen des 2. Lesemarathons bei Lovelybooks statt. Hier in diesem Beitrag werde ich euch dann im Laufe des Tages immer wieder von dem Experiment berichten.

Mittwoch, 23:14 Uhr

Bevor es ins Bett geht, hier noch die Bücher, die ich mir für morgen bereit gelegt habe. Natürlich werde ich nicht alle davon lesen können, aber wenn ich zwei oder sogar drei durchbekomme, bin ich vollkommen zufrieden.

Den Anfang wird auf jeden Fall mein aktuelles Buch Halting State von Charles Stross machen. Danach folgt wahrscheinlich Sonea – Die Hüterin von Trudi Canavan. Wenn dann noch Lust und Energie übrig sind, stehen noch zur Auswahl:

Bis morgen dann, ich geh jetzt vorschlafen.

Donnerstag, 11:05 Uhr

Eine Stunde lesen ist ja noch nicht wirklich viel, daher gibt es auch noch nicht viel zu berichten. Fühlt sich aber irgendwie meerkwürdig an, die nächsten 23 Stunden kaum etwas anderes tun zu werden, als auf dem Rücken zu liegen oder im Sessel zu sitzen und zu lesen. Auf jeden Fall hab ich danach wieder viel Material für die kritische Seite.

12:09

Mitten im Showdown vom ersten Buch. Danach geht es dann vom Cyberpunk-Thriller zu Fantasy…

13:06

Jetzt bewege ich mich nicht mehr im Schottland des Jahres 2018, sondern in Kyralia und steige gerade in das druckfrische Rezensionsexemplar von Sonea – Die Hüterin von Trudi Canavan ein. Die ersten 60 Seiten versprechen schon recht viel.

14:08

Wie von Trudi Canavan nicht anders zu erwarten, ist das Buch bislang einfach süffig und liest sich wunderbar weg. 82 Seiten in 55 Minuten sprechen da eine deutliche Sprache.

18:06

Nach acht Stunden und knapp 550 Seiten ist der erste Schwung an Energie und Konzentration aufgebraucht. Ist aber irgendwie spannend zu beobachten, wie ein Tag vorbeifließt, während man einfach so in einem Buch versunken ist. Wenn es dann auf einmal 18 Uhr ist, fragt man sich schon, wo der Tag hin ist und erinnert sich dann an die Reisen und Abenteuer, die man bereits erlebt hat und die einem kein “realer” Tag geboten hätte. Nun mach ich auf jeden Fall mal etwas langsamer, schau ein wenig Fußball und lese dabei ein paar Seiten.

21:28

Nach insgesamt 11 Stunden Lesemarathon habe ich das erste vollständige Buch durch. Und ich muss sagen, dass Sonea – Die Hüterin ein durchaus würdiger Nachfolger der Reihe Die Gilde der schwarzen Magier ist. Eine ausführliche Rezension folgt dann im Laufe des Wochenendes. Nun werde ich mal wieder das Genre wechseln und mich mit Denken hilft zwar, nützt aber nichts von Dan Ariely zu den Sachbüchern begeben.

Freitag, 01:12 Uhr

Jetzt liegt auch t Denken hilft zwar, nützt aber nichts von Dan Ariely hinter mir und die letzte Stunde oder zwei widme ich mich jetzt noch Kind der Zeit von Isaac Asimov und Robert Silverberg.

Freitag, 01:55

Mit 1022 gelesenen Seiten in 15,5 Stunden beschließe ich jetzt auch mal, dass es Zeit für’s Bett wird. Ein Tempo von mehr als 60 Seiten pro Stunde hätte ich mir am Anfang über die lange Strecke echt nicht zugetraut und mit viel Wille, ginge es wohl auch noch eine oder zwei Stunden, aber da mir morgen ein Familienbesuch und 25 Kilometer auf dem Fahrrad bevorstehen, will ich doch noch ein paar Mützen Schlaf abbekommen. Mehr zu den gelesenen Büchern gibt es dann in der nächsten Zeit an dieser Stelle.

Spannende und anspruchsvolle Science Fiction von zwei Altmeistern des Genres.

Über dem Planeten Kalgash kreisen sechs Sonnen, und die Dunkelheit ist seinen Bewohnern unbekannt. Es gibt sogar eine instinktive Angst vor ihr.
Auf diesem Planeten existiert eine Sekte, die den Untergang der Zivilisation für ein bestimmtes Datum vorhersagt. Sie kündet ein verheerendes Feuer an, das die Götter auf Kalgashs Bewohner loslassen würde, um sie für ihre Abkehr vom rechten Weg zu bestrafen. Diese Sekte jedoch wird von den meisten für eine Gruppe Irrer gehalten.
In dieser Situation, kurz vor dem angekündigten Weltuntergang, treffen nun einige merkwürdige wissenschaftliche Erkenntnisse aufeinander: Zum einen entdeckt eine Archäologin einen Hügel aus niedergebrannten Städten;zum anderen entdeckt ein Astronom einen Fehler in der allgemein als richtig angenommenen Gravitationslehre, mit deren Hilfe die Position der Sonnen vorherberechnet werden kann.
Alle diese Hinweise deuten auf eine einbrechende Nacht hin. Doch niemand glaubt diese Theorie…

Einbruch der Nacht ist eine weitere Romanausarbeitung einer Kurzgeschichte Asimovs durch Robert Silverberg. Und wie mit Der positronische Mann ist Silverberg ein faszinierender Roman gelungen.
Silverberg beschreibt die Angst dieser fremden Kultur sehr plastisch und zeigt dem Leser mit einer kleinen Kostprobe gleich zu Beginn, was die Bewohner von Kalgash nach 150 Seiten erwartet. Durch diesen Kunstgriff schafft es der Autor, beim Leser, der ansonsten sehr früh ahnt, wie sich die Dinge entwickeln werden, eine Neugier dafür zu erwecken, was da kommt.
Die Kultur auf dem Planeten Kalgash ist nicht sonderlich detailliert beschrieben. Silverberg beschränkt sich bewusst auf die handlungsrelevanten Aspekte. Dadurch bekommt Einbruch der Nacht eine hohe Intensität und lässt den Leser schon nach wenigen Seiten nur noch schwerlich los.
Auch inhaltlich bieten Silverberg und Asimov einiges auf. So schildern sie die Streitigkeiten zwischen Wissenschaft und Religion, aber auch die Auswirkungen, die völlig unbegründete Ängste auf eine Zivilisation haben können. Zudem wird dem Leser auch die Beschränktheit eines jeden Weltbildes plastisch vor Augen gehalten.

Eine Pflichtlektüre für jeden Science Fiction Fan und auch Andere könnten an diesem Buch großen Gefallen finden.

Der Roboter NDR113 ist ein ganz besonderes Exemplar. Zufälligerweise ermöglichen ihm seine positronischen Gehirnbahnen, nicht nur die programmierten Programmabläufe durchzuführen, sondern sogar darüber hinaus zu denken. Er freundet sich schnell mit den Kindern seines Besitzers an. Durch einen Zufall bemerkt die Familie sein besonderes Talent im Holz schnitzen und schon bald ist Andrew, wie der Roboter nun genannt wird, weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt. Für ihn ist dies der erste Schritt zur Freiheit und ein Kampf beginnt, der sich über zwei Jahrhundert hinstrecken wird.
Meinung

Der positronische Mann ist Robert Silverbergs Romanausarbeitung von Isaac Asimovs Kurzgeschichte Der Zweihundertjährige (The Bicentennial Man)
Das Buch beschreibt die Geschichte eines Roboters, der als Mensch anerkannt werden will. In der Science Fiction ist dies sicherlich kein unbekannter Plot. Robert Silverberg schafft es jedoch, diese Handlung derart eindringlich und plastisch zu schildern, dass der Leser sich vollkommen in die Situation des Roboters versetzen kann. Die Handlung ist auch ausschließlich auf diese Ebene konzentriert und verliert sich nicht in unwesentlichen Nebenhandlungen.
Andrew, der von Asimovs drei Gesetzen der Robotik kontrolliert wird -

  1. Ein Roboter darf keinem menschlichen Wesen Schaden zufügen oder durchUntätigkeit zulassen, daß ein menschliches Wesen zu Schaden kommt.
  2. Ein Roboter muß den Befehlen gehorchen, die ihm von menschlichen Wesen erteilt werden, außer in Fällen, wo solche Befehle gegen das erste Gebot verstoßen würden.
  3. Ein Roboter muß seine eigene Existenz schützen, solange solch ein Schutz nicht gegen das erste oder zweite Gebot verstößt. -

kämpft derart leidenschaftlich für seine Menschwerdung, dass der Leser immer mehr eine Antipathie gegen die “bösen”Menschen aufbaut, die dem “lieben”und “menschlichen”Roboter seine Rechte verweigern wollen. Hiermit gelingt es den Autoren die Angst der Menschen vor Neuerungen zu verdeutlichen.