Alle Kritiken zu Greg Egan

Qual (Distress)
 Teranesia (Teranesia)

Alle Berichte zu Greg Egan

19. August 2011 Die kritische Seite – Podcast, August 2011

Nachdem der August hier in Oldenburg bisher total ins Wasser gefallen ist, hatte ich genug Zeit, die zweite Folge des Podcasts der kritischen Seite fertig zu stellen. Here it comes:

Wenn euch die Folge gefallen hat, könnt ihr den Podcast gerne abonnieren und/oder mir einen Kommentar hinterlassen. Für Lob, Kritik und Anregungen bin ich immer dankbar.

Shownotes

Teranesia

(Heyne 1999, 381 Seiten, 3-453-17927-7)

Durchaus kein schlechtes Buch, aber irgendwie ist mir die Atmosphäre zu dünn.

Prabir ist noch ein Kind, als seine Eltern bei einem Angriff auf ihre Insel ums Leben kommen. Eigentlich wollten die Eltern auf dem einsamen Eiland nur Schmetterlinge erforschen, jedoch macht ein Bürgerkrieg die Insel zu einem strategisch wichtigen Standpunkt.
Gemeinsam mit seiner Schwester, sie ist noch ein Kleinkind, gelingt dem Jungen die Flucht von der Insel und er wächst in den Vereinigten Staaten auf.
Viele Jahre später werden seltsam mutierte Tiere in dem Archipel gefunden in dem Prabir aufwuchs. Als seine Schwester die Möglichkeit erhält an einer Expedition dorthin teilzunehmen sperrt sich Prabir zwar dagegen, kann aber nicht verhindern, dass sie mitfährt. Nach langen Überlegungen entschließt er sich ihr zu folgen und mit ihr über das was damals passierte zu reden. Er gibt sich die Schuld am Tod seiner Eltern und will nun seine Schwester nicht ins Unglück rennen lassen.
Auf seiner Tour über die Inseln entdeckt er jedoch bald, dass ein System hinter den Mutationen steckt, die sich wie ein Virus auszubreiten scheinen. Und dann stellt er noch fest das auch Menschen nicht dagegen immun sind.

Nach Qual ist Teranesia mein zweiter Roman von Greg Egan gewesen und eindeutig der schwächere.
Wie auch in Qual schafft es die Atmosphäre von Teranesia nicht immer, den Leser zu fesseln. Dafür wartet der vorliegende Roman aber nicht mit interessanten philosophischen Weltbetrachtungen auf, sondern mit langen komplizierten Beschreibungen der Gentechnik, die für den biologisch nicht vorgebildeten Leser nur schwer zu verstehen sind und etwas verworren erscheinen.
Die Passagen in denen Egan die Welt der Zukunft und seine Charaktere beschreibt, sind aber durchaus überzeugend. Er schafft es Prabirs Leiden und die Neugier seiner Schwester für den Leser greifbar zu machen und es gelingt ihm den Leser für die weitere Handlung zu interessieren. Leider ist die Atmosphäre des Buches aber nicht so dicht, dass richtige Spannung aufkommt.
Die Welt die Egan beschreibt ist jedoch hoch interessant und insbesondere der Fortschritt, den das Internet genommen zu haben scheint wird vom Autor detailliert geschildert.

Distress

(Heyne 1999, 557 Seiten)

Qual stellt eindeutig eine Pflichtlektüre für denjenigen dar, der sich für realistische Zukunftsvisionen interessiert oder sich für die Idee einer Universaltheorie erwärmen kann.

Im Jahr 2055 ist die Gentechnik auf der Erde viel weiter als heute. Das menschliche Erbgut ist so gut wie komplett entschlüsselt und aus Erbinformationen können ganze Inseln erschaffen werden. Auf einer solchen Insel steht nun ein denkwürdiges Ereignis bevor: Die Enthüllung einer Universaltheorie. Hier sollen die renommiertesten Wissenschaftler die Theorie veröffentlichen, die alle Phänomene des Universums seit dem Urknall erklärt. Sie beruht auf den Theorien Einsteins und Heisenbergs, die beide noch unvollkommen waren.
Diese Veranstaltung ruft aber auch religiöse Fanatiker auf den Plan. Für manche stellt diese “”Alltheorie”" den Weltuntergang dar, für andere den Schöpfungsakt. Der Journalist Andrew gerät nun in eine komplizierte Lage zwischen allen Fronten. Die Physikerin, über die er ein Portrait drehen soll und einige der religiösen Gruppen interessieren sich für ihn. Auch die geheimnisvolle Krankheit “Qual”, die sich auf der gesamten Erde stark ausbreitet, scheint eine Rolle zu spielen.

Qual ist ein sehr guter Vertreter der ruhigen, wissenschaftlichen Science Fiction. Dabei wird das Buch niemals wirklich unverständlich auch wenn einige Passagen doch sehr wissenschaftlich geraten sind. Greg Egan gelingt es in seinem Roman eine spannende und gleichzeitig glaubwürdige Zukunftsvision zu entwerfen. Dabei zeigt er nicht nur eine mögliche Entwicklung der Gentechnologie auf, sondern erweitert auch die Anzahl der menschlichen Geschlechter auf drei (mit vier Variationen). So gibt es Männer und Frauen, in einer “normalen” einer schwächeren und einer stärkeren Variante, so wie die Asexuellen, die sich bewusst zu diesem Schritt entschieden haben. Egan führt für diese Personen sogar ein eigenes Personalpronomen ein: “hie” Dieses benutzt er auch konsequent im ganzen Buch.
Dann beschreibt der Roman auch noch, wie eine anarchische Gesellschaft aussehen kann und das diese zwar ein fragiles Gebilde wäre, aber durchaus stabil bleiben könne.
All das, was ich hier genannt habe, macht aber nur einen Bruchteil dessen aus, was der Roman bietet.