Alle Kritiken zu Greg Bear

Heimat Mars (Movin Mars)
 Quantico (Quantico)

Alle Berichte zu Greg Bear

22. Juli 2011 Auch Tor kümmert sich um seine Leser

Nachdem ich gestern Gollancz für seine aktuellen Projekte in den Himmel gelobt habe, ist heute der amerikanische Verlag Tor an der Reihe – einer der wichtigsten Player im Gebiet der Science-Fiction und Fantasy weltweit. Schon deren Website Tor.com platzt vor lauter Neuigkeiten und Aktionen aus allen Nähten, aber das war den Frauen und Mannen aus New York wohl nicht genug: Am Dienstag veröffentlichten sie einen Tor Books Sampler, der nicht nur Artikel von zentralen Autoren aus dem Programm von Tor umfasst, sondern auch Ausschnitte aus zahlreichen Romanen zum Probelesen. Mit dabei sind unter anderem Greg Bear, Orson Scott Card und Carrie Vaughn.

Einfach so. Kostenlos. Als PDF und epub. Der einzige kleine Haken: Man muss sich einen Account auf der Tor.com-Webseite zulegen. Aber den sollte jeder Fan us-amerikanischer Science-Fiction oder Fantasy ohnehin schon längst haben. Hier geht’s lang: Tor Books Sampler

Bitte, liebe deutsche Verlage, habt doch auch mal solche guten Ideen oder kopiert zumindest die aus dem englischsprachigen Raum. Eure Leser werden es euch danken!

Quantico (Quantico)

(Heyne 2006, 543 Seiten, 3-453-43037-9)

Gut geschriebener Hightech-Thriller, dem leider die Spannung fehlt.

Es beginnt harmlos: Auf einem Highway liefert sich ein LKW eine Verfolgungsjagd mit einem Streifenpolizisten, der wenig später tot im Straßengraben liegt. An Bord des Lasters? Tintenstrahldrucker. Doch auf unerfindlichen Gründen ist bereits eine Biowaffen- und Terrorexpertin des FBI vor Ort und beteiligt sich an den Ermittlungen. Gleichzeitig sichert ein FBI-Agent die Farm des christlich-militanten “Patriarchen” und findet auf dem Gelände überall Hefe verstreut, bevor er durch eine Explosion von Raketenzündstoff schwer verletzt wird. Als sich dann in einem kleinen Ort in Ohio Fälle von plötzlicher Amnesie häufen, kommen die Ermittler auf die Spur eines geheimen Militärprojekts, das außer Kontrolle geraten ist, denn irgendwo in den USA hat der autistische aber wissenschaftlich geniale Tommy eine ungeheure Waffe entwickelt. Unterstützung erhielt er dabei von einem gewissen Sam, einer undurchsichtigen Gestalt mit einem braunen und einem grünen Auge.

Schon diese Zusammenfassung liest sich wie ein klassischer High-Tech-Verschwörungsthriller und wird damit dem Roman von Greg  Bear (leider) vollkommen gerecht. Zwar ist das Buch gut geschrieben und mit viel Hintergrundwissen und einigen guten Ideen gespickt, es lässt jedoch die Spannung anderer Bücher von beispielsweise Tom Clancy oder Michael Crichton vermissen. Bear gelingt es nicht, die unglaubliche Bedrohung, die diese Waffe darstellt, für den Leser fühlbar zu machen und sich mit der Gefahr zu identifizieren. So schaut man etwas distanziert und interessiert den Ermittlern bei ihrer Arbeit zu und weiß eher, als dass man es fühlt, dass deren Arbeit über die Zukunft unserer Welt entscheidet.

Movin Mars

(Heyne 1999, 756 Seiten, 3-453-13309-9)

Heimat Mars ist all jenen uneingeschränkt zu empfehlen, die sich einfach in eine atmosphärische, ruhige und glaubwürdige Zukunftsvision fallen lassen wollen.

In der nahen Zukunft ist der Mars zu einem vom Menschen besiedelten Planeten geworden. Er ist aber keine Kolonie der Erde, sondern wird als eigenständiger, aber doch sehr abhängiger, Planet behandelt. Die Gesellschaft ist sog. Bindende Gruppen eingeteilt, auf die die Macht auf dem Planeten verteilt ist und von der jede ein Spezialgebiet besetzt.
Die junge Casseia Majumdar passt nun nicht in das Image ihrer Gruppe. Sie will in die Politik gehen, um einen vereinigten Mars zu schaffen. Als sie dann als Praktikantin mit ihrem Onkel auf die Erde reist, um dort ihrem Ziel näher zu kommen wird sie schnell in eine Intrige verwickelt, die den Anfang für einen Krieg gegen den Mars und dessen Unabhängigkeit darstellt.
Der Krieg nimmt bald Formen an, die die Marsbewohner vor eine schwierige Entscheidung stellen: Soll der “große Sprung”gewagt werden, oder nicht?

Heimat Mars ist trotz seiner dramatischen Handlung beileibe kein Actionroman. Bear setzt vielmehr auf eine ruhige und sehr atmosphärische Handlung, die er auf immerhin 756 Seiten entwickelt.
Er baut Charaktere auf, die sehr glaubwürdig sind und die dem Leser immer mehr ans Herz wachsen. Insgesamt konzentriert sich das Buch stark auf die politische und die wissenschaftliche Ebene.
Bear schreibt derartig intensiv, dass es bereits nach wenigen Seiten sehr schwer fällt, das Buch aus der Hand zu legen.