Alle Kritiken zu Andreas Eschbach

Das Jesus Video
 Der Nobelpreis
 Die Haarteppichknüpfer (The Carpet Makers)
 Eine Trillion Euro
 Perfect Copy
 Quest
 Solarstation
 Das ferne Leuchten

Alle Berichte zu Andreas Eschbach

8. November 2011 Die kritische Seite – Podcast, Oktober/November 2011
23. September 2011 Die kritische Seite – Podcast, September 2011
21. Januar 2011 Science-Fiction für jedes Alter
5. Dezember 2010 2011 bei Bastei Lübbe Taschenbuch
12. Mai 2010 Stoff! Ich brauch mehr Stoff!

Der Nobelpreis

(Lübbe 2007, 560 Seiten, 3-404-15763-X)

Achtung, dieses fesselnde und spannende Buch läßt keine Lesepause zu.

Hans-Olof Andersson ist Mitglied im Nobelpreiskomitee. Der anerkannte Professor wird von einer vermeintlich höheren Gewalt erpresst. Es wird von ihm verlangt für eine ganz bestimmte Nobelpreis-Kanditatin zu stimmen. Sollte er das nicht tun wird seiner entführten Tochter etwas angetan. Aus seiner endlosen Verzweiflung wendet sich der Herr Professor an seinen Schwager, der Bruder seiner verstorbenen Ehefrau. Gunnar ist Profieinbrecher und Industriespion, der sein Handwerk versteht und sicher eine Spur von den Entführern findet und das Leben seiner einzigen Nichte und somit auch seine einzige lebende Erinnerung an seiner toten Schwester retten wird.

Die Geschichte ist spannend und mit umfangreichen Hintergrundwissen fesselnd beschrieben. Auch wenn sich teilweise die Formulierungen innerhalb eines Kapitels verdächtig wiederholen, hindert dieses einen nicht daran noch ein weiteres Kapitel zu lesen. Der Autor versteht sich sehr gut darauf die Handlung immer in neue unerwartete Richtungen zu lenken. So kristallisiert sich am Ende des Buches eine Wahrheit hinaus, die alles Andere als ehrahnenswert ist und die das bereits gelesene in Frage stellt. Alles in allem ist das Buch ein absolutes Muss für alle Fans der Spannung. Das Buch erzählt nicht nur die Geschichte einer Entführung sondern auch die Aufarbeitung zweier Schicksale, die eine gemeinsame “Schnittstelle” haben und sich daraus ihr ganz persönliches Schicksal entwickelt hat.

Solarstation

(Bastei-Lübbe 1999, 317 Seiten, 3-404-24259-9)

Ein super Science Fiction Thriller der einen schon nach wenigen Seiten gefangen nimmt und nicht mehr los läßt.

Im Jahr 2015 umkreist eine riesige Weltraumstation die Erde. Die NIPPON ist eine japanische Produktion, in der eine alternative Energieentwicklung erprobt wird. Mit hauchdünnen und ungeheuer großen Sonnensegeln wird Solarenergie erzeugt, die dann mittels eines Laserstrahls auf die Erde transportiert wird. Lange Zeit lang verläuft der Alltag auf der Station ohne Probleme, doch irgendwann geschieht ein Mord. Bald darauf dockt ein fremdes Raumschff an die Station an und seine Besatzung kann die NIPPON in ihre Gewalt bringen. Sie wollen jedoch kein Geld erpressen, sondern planen eine Tat, die viele Hunderttausend Menschen das Leben kosten könnte. Der “Hausmeister”kann sich jedoch aus seinem Gefängnis befreien und versucht nun, die Fanatiker zu stoppen. Er kennt alle Geheimnisse der Station und nutzt sie aus, um die wahnsinnige Tat zu verhindern.

Der Klappentext verspricht “eine Art ‘Stirb Langsam’ im Weltraum”und dieser Vergleich ist durchaus nicht weit her geholt. Wie Bruce Willis stellt sich hier ein Mann gegen eine Gruppe von brutalen und skrupellosen Gangstern. Dabei konzentriert sich Eschbach jedoch nicht auf die Action, sondern baut eine glaubwürdige und sehr spannende Geschichte auf. Er läßt sich Zeit, bis er mit der eigentlichen Handlung beginnt, jedoch sind bereits seine anfänglichen Beschreibungen des Lebens in der Raumstation so fesselnd geschrieben, dass ich das Buch kaum mehr aus der Hand legen konnte. Als dann das fremde Raumschiff an die NIPPON andockt baut Eschbach eine deratig dichte und spannende Atmosphäre auf, dass es noch schwieriger wird, eine Lesepause einzulegen. Dazu trägt auch bei, dass Eschabch eine klare Sprache verwendet und sich nie hinter Andeutungen oder leichten Hinweisen auf Brutalitäten versteckt, sondern diese klar und offen benennt. Somit kann sich der Leser sehr einfach in die Position der handelnden Figuren versetzen. Die Figuren sind allerdings nicht derartig ausgearbeitet, wie es z.B. in Eschbachs Das Jesus Video der Fall war, jedoch ist dies bei einem deraritgen Roman auch kaum notwendig.

Quest

(Heyne 2001, 526 Seiten, 3-453-18773-3)

Ein neues Meisterwerk aus der Feder von Deutschlands bestem Science Fiction Autor.

Der schwerkranke Kommandant des Forschungsschiffes MEGATAO Quest schickt sein Schiff, wegen eines geheimen Befehls des Pantap, auf die Suche nach dem Planeten auf dem das menschliche Leben, dass sich überall im Weltraum verbreitet hat, seinen Ursprung genommen hat. Die Besatzung raubt aus dem Pashkanarium, einer gigantischen, alten Bibliothek Informationen über uralte, nichtmenschliche Völker, von denen es sich mehr Informationen über den sagenhaften Planeten erhofft. Eine abenteuerliche Suche beginnt auf der auch Zweifel an der Existenz eines Befehls des Pantap aufkommen.

Quest, der Titel ist Programm. Jede der Hauptpersonen ist auf ihrer persönlichen Suche. Der Kommandant sucht den Planeten des Ursprungs. Der erste Verweser Dawill, ein nicht Adeliger, sucht nach einem Weg, Kommandant zu werden. Bailan, ein junger Novize aus dem Pashkanarium, sucht sein Leben… Die Space-Opera Quest ist aber mehr als eine kosmische Schnitzeljagd. Eschbach beschreibt ein Universum und das so detailliert, wie man es kaum erwartet, denn er beschränkt sich auf die Handlung um die MEGATAO, es gibt keine weiteren Handlungsfäden. Dadurch erreicht er eine hohe Dichte und ermöglicht es dem Leser sich mit den Hauptpersonen sehr stark zu identifizieren. Was mir an Quest besonders gut gefallen hat ist, dass Eschbach ohne Bösewichte auskommt. Er beschreibt lediglich viele verschiedene, miteinander verknüpfte Suchen. Das es dabei nicht immer freundschaftlich zugeht ist klar. Aber immer versteht der Leser die Motivation der Personen und es gibt keinen ausschließlich unsympathischen Charakter. Dass die Handlung stimmig und spannend ist und es schon nach wenigen Seiten schwer ist, das Buch zur Seite zu legen muss ich wohl nicht mehr erwähnen.

Eine Trillion Euro

(Bastei-Lübbe 2004, 462 Seiten, 3-404-24326-9)

Sehr lesenswerte Kurzgeschchtensammlung zum Thema Europa.

Als inoffiziellen Nachfolger zu seinem famosen Roman Eine Billion Dollar veröffentlicht Andreas Eschbach nun die Kurzgeschichtensammlung Eine Trillion Euro. In der Sammlung vereint der deutsche Autor 17 Kurzgeschichten zum Thema “Europa”, die von den verschiedensten europäische Science-Fiction Autoren stammen. Darunter sind auch Autoren, die noch nie zuvor ins Deutsche übersetzt worden sind. Vertreten sind u.a. Elia Barceló (Spanien), Pasi Jääskeläinen (Finnland), Thanassis Vembos (Griechenland), Valerio Evangelisti (Italien), Sarah Doke (Belgien), Leo Lukas (Österreich) und natürlich auch Andreas Eschbach selber.

Ich will jetzt nicht auf jede Geschichte einzeln eingehen, aber insgesamt läßt sich sagen, dass sie eine hohe bis sehr hohe Qualität haben und sich mit dem Thema Europa in der Zukunft auf die verschiedensten Weisen beschäftigen. Dabei helfen die einleitenden Bemerkungen von Andreas Eschbach sehr gut, die Geschichte in ihrem nationalen und dem persönlichen Kontext zu verstehen.

The Carpet Makers

(Heyne 1998, 324 Seiten, 3-453-13318-8)

Wie bei Eschbach nicht anders zu erwarten: spannend, atmosphärisch dicht und vielseitig.

Auf einem Planeten werden schon seit Urzeiten Haarteppiche geknüpft. Ein Teppich besteht dabei aus Haaren der Frauen und Töchter des Haarteppichknüpfers und ist so dicht, dass ein Knüpfer in seinem Leben nur einen Teppich herstellt. Dieser wird dann verkauft und der Erlös dient dem Sohn dazu zu überleben und seinen eigenen Teppich knüpfen zu können. Jeder Knüpfer hat maximal einen Sohn, da der Erlös nur für einen Erben ausreicht. Weitere Söhne, die geboren werden werden gleich nach der Geburt getötet. Die Knüpfer und alle anderen Menschen auf dem Planeten glauben, dass sie auserwählt sind für den Gottkaiser des Sternenreiches die Dekoration für seinen Palast herzustellen und sehen darin den höchsten Dienst an ihrem Reich. Als dann jedoch Fremde von den Sternen kommen und sich das Gerücht bildet, dass Sternenreich sei zerfallen und der Gottkaiser abgesetzt, beginnen die Menschen zu zweifeln. Die Fremden haben unterdessen weitere Knüpf-Welten entdeckt und suchen nun nach dem Geheimnis hinter den Haarteppichen. Was sie herausfinden sprengt alle Vorstellungskraft.

Die Haarteppichknüpfer ist Eschbachs vielbeachteter Erstling und ich muss sagen, auch mir hat dieses Buch äußerst gut gefallen. Weniger ein Roman als vielmehr eine Sammlung von miteinander verwobenen Kurzgeschichten erzählt hier die Geschichte einer in ihren Traditionen verhafteten Kultur die den Zusammenbruch aller ihrer Werte und Ideale erlebt. Dabei wirken die Geschichten zunächst noch ein wenig zusammenhangslos, aber schon bald merkt man, wie sich ein einheitlicher Handlungsstrang herausschält. Dabei wechselt Eschbach konsequent in jeder Geschichte die handelnden Personen und damit die Perspektive. Dies wird jedoch nie unübersichtlich, da der eigentliche Handlungsstrang relativ einfach gehalten ist. Innerhalb der Geschichten brennt Eschbach jedoch wieder ein Feuerwerk ab. Alle Charaktere sind vielschichtig und interessant. Die Handlung bleibt jede Sekunde spannend und enthüllt etwas Neues über die Welt, ihr Bewohner und Rituale.

Immer wieder überrascht es mich, wie Eschbach es schafft, jeden seiner Romane zu etwas Besonderem zu machen. Damit meine ich nicht alleine die exzellente Qualität sondern insbesondere die Kreativität und die Vielseitigkeit die er aufbringt. Denn eins kann man sicher sagen: Kein Eschbach ist wie der andere!

Das Jesus Video

(Bastei-Lübbe 2000, 651 Seiten, 3-404-14294-2)

Ich hatte mir vorgenommen die beste Wertung nur für absoltue Spitzenbücher zu zücken, und deshalb kommt sie hier zum Einsatz.

Während einer Ausgrabung in Israel findet der New Yorker Stephen Foxx als Grabungshelfer ein 2000 Jahre altes Skelett zusammen mit einer ebenso alten Bedienungsanleitung für eine Videokamera, die aber erst in drei Jahren auf den Markt kommen wird. Schon bald kommen der Ausgrabungsleiter Prof. Wilford – Smith, der Medienmogul Kaun und der Deutsche Science – Fiction Autor Eisenhardt auf die Idee einen Zeitreisenden gefunden zu haben, der ein Video von Jesus gedreht haben könnte. Nun beginnt die Jagd auf dieses ominöse Video aus den verschiedensten Motiven.Kaun denkt, er könne Geld verdienen, Foxx glaubt, sich beweisen zu müssen und die Kirche will das Video für ihre Zwecke nutzen.

Das Jesus Video ist eines der besten Bücher, die ich bisher gelesen habe. Eschbach gelingt es dem oft verwendeten Thema der Zeitreise neue Seiten abzugewinnen. Er setzt dabei nicht auf das altbekannte Zeitparadoxon sondern nutzt dieses nur als Argument in wenigen Diskussionen der Protagonisten. Überhaupt läßt der Autor seine handelnden Personen relativ viel reden. Dabei sind diese Gespräche aber nur sehr selten langatmig, oder gar langweilig. Er legt in seinem Roman aber nicht nur die Grundlagen der Zeitreise dar, sondern offenbart auch einige interssante Fakten über die katholische Kirche und den Glauben an Jesus Christus. Dabei wird offensichtlich, das Eschbach in diesem Buch diese Kirche als Institution mehr als deutlich kritisiert. Die Jagd nach dem Video ist im zweiten Teil des Buches plastisch geschildert und wirkt wie eine gut durchdachte Schnitzeljagd durch Israel. Dabei entwickelt der Autor ein lebendiges Bild des Landes und versetzt den Leser in den nahen Osten. Die für mich interessanteste Figur in diesem Buch ist für mich der deutsche Schriftsteller Peter Eisenhardt, den Eschbach so plastisch schildert, dass man den Eindruck haben könnte er würde sich selber und seine Arbeitsmetoden beschreiben.