Es ist schon irgendwie merkwürdig: Da kauft man sich ein Buch, hat es nach ein paar Tagen ausgelesen und sortiert es dann fein säuberlich ins Regal ein: Fantasy, Autor mit H. Alles klar. Da steht das Buch dann tagein, tagaus. Es staubt ein wenig zu und wird ab und an von Gästen kurz betrachtet, hat aber ansonsten nicht mehr viel von seinem Leben. Lesen werde ich es wohl nicht mehr und so fällt es mir meist nur dann in die Hände, wenn ich mein Regal mal wieder umsortiere oder ein Umzug ansteht. Andererseits geben ein paar volle Regale eine wunderbare Sammlung ab und wirken doch immer wieder recht beeindruckend, wenn man mal darüber nachdenkt, was man schon so alles gelesen hat. Auch die Erinnerungen, die mit dem einen oder anderen Buch verknüpft sind, kommen dann mal kurz auf, fallen aber schnell wieder dem Alltag zum Opfer.
Was macht man also mit so einer Ansammlung von Büchern, totem Holz und Druckerschwärze? Da ich in den nächsten Jahren wahrscheinlich noch das eine oder andere Mal umziehen werde und mir generell vorgenommen habe, den physischen Kram, den ich so besitze ein wenig (oder auch ein wenig mehr) zu reduzieren, habe ich jetzt auch mal angefangen, ein wenig in meinen Büchern zu kramen und das ein oder andere auszusortieren. Nicht, weil sie mir nicht gefallen hätten, sondern weil ich weiß, dass ich sie nicht noch einmal lesen werde und mein Leben sich ohne sie nicht bedeutend verschlechtern wird. Natürlich wird am Ende dieses Prozesses immer noch eine ansehnliche Sammlung unseren Flur oder mein Zimmer zieren, aber es müssen ja nicht unbedingt drei zweireihig besetzte Billy-Regale sein.
Da ich (vernünftige) Bücher aber niemals wegwerfen könnte, werde ich sie auf unterschiedlichen Wegen einer sinnvollen Zweitverwertung zuführen. Und daher wird es in den nächsten Wochen und Monaten immer wieder ein paar Bücher aus meiner Sammlung bei Tauschticket zu ertauschen geben. Schaut also mal vorbei und stöbert ein wenig rum, vielleicht ist ja was für euch dabei:
Als ich das klassische Werk von Ken Follet vor fast 10 Jahren das erste Mal gelesen habe, haben mich die Geschichte, die Atmosphäre und die Charaktere umgehauen und wie im Nu verflogen die immerhin 983 englischen Seiten. Gerade habe ich gesehen, dass das Mammutwerk in den USA jetzt verfilmt worden ist. Seit dem 23. Juni läuft hier eine achtstündige Miniserie.
Ich hoffe mal, dass die Serie möglichst schnell auch ihren Weg nach Deutschland findet (und sei es als DVD-Import), auch wenn ich nicht verhehlen kann, dass ich skeptisch bin, ob die Verfilmung ihrem genialen Vorbild gerecht werden kann. Auch die kongeniale Hörspielversion des WDR von 1999 hat mich hier wahrscheinlich sehr verwöhnt.
Eine Idee, die die Welt verbessern könnte, verpackt in einem etwas zu langen Buch.
Wir haben gerne die Wahl. Viele Möglichkeiten und unterschiedliche Varianten verschaffen uns die Illusion eines freien Willens, denn nur so können wir wirklich die Dinge finden, die unseren Interessen und Bedürfnissen am besten entsprechen. Doch die Forschungsergebnisse der letzten 30 Jahre sprechen hier eine andere Sprache. Das, was wir freien Willen nennen, ist allerdings wenig mehr als Wunschdenken (siehe dazu auch Denken hilft zwar, nützt aber nichts). Wir lassen uns von der Anordnung der Waren im Supermarkt beeinflussen, verpassen Zinsen, weil wir in die offensichtlich falschen Fonds investieren, und zerstören unsere Umwelt, ohne es zu merken und das nur aus einem Grund: Falsche Voreinstellungen.
Thaler und Sunstein argumentieren, dass wir Menschen stark dazu neigen, bei einmal getroffenen Entscheidungen zu bleiben und sie nur selten zu überdenken. So stellen sie am Beispiel des schwedischen und amerikanischen Rentenversicherungssystems, Organspendeausweisen und anderen Themen dar, wie geeignete Voreinstellungen in der Lage sind, uns zu besseren Entscheidungen zu helfen und unser Leben besser zu machen. Dabei plädieren sie nicht für eine Bevormundung und staatliche Planung, sondern für ein Konzept, das sie “libertärer Paternalismus” nennen. So sollen die Standardwerte und Auswahlmöglichkeiten auf der oberflächlichsten Ebene so beschaffen sein, dass sie es der Mehrheit der Menschen ermöglichen, gute Entscheidungen zu treffen, auch ohne sich in dem spezifischen Bereich besonders gut auszukennen. Für die, die tatsächlich selbstständig komplexe Entscheidungen treffen möchte, solle dies jedoch weiterhin so einfach wie möglich möglich sein. So könnten bei Rentenanlagen drei Fonds mit den Eigenschaften “konservativ”, “ausgeglichen” und “riskant” vorgegeben sein, aber gleichzeitig die Möglichkeit bestehen aus 500 Anlagemöglichkeiten eine eigene Kombination auszuwählen. Diejenigen, die überhaupt keine Entscheidung treffen wollen, könnte dann der “ausgeglichene” Fonds voreingestellt sein. Auf diese Weise bleibt jede Freiheit erhalten, denen, die nicht in der Lage oder Willens sind, eine eigene fundierte Entscheidung zu treffen, bestehen jedoch ebenfalls sinnvolle Auswahlmöglichkeiten.
Wie man vielleicht schon merkt, bin ich von nudge äußerst begeistert. Die Idee der beiden Autoren ist fundiert und überzeugend vorgebracht und spontan fällt mir kein Argument gegen ihren Vorschlag ein. Zudem schreiben sie unterhaltsam, wenn auch ab und an ein wenig trocken. Für den deutschen Leser ist es jedoch schade, dass sich die Beispiele der Autoren verständlicherweise auf die Vereinigten Staaten beziehen. So wird das Buch nach dem extrem spannenden ersten Teil etwas langweiliger, weil die Fallstudien nur illustrativen Charakter haben und sich nicht auf unseren Alltag beziehen. Es bleibt eine extrem gute und überzeugend vorgebrachte Idee, unser Leben besser zu machen.
Seit Kurzem stehen die Finalisten für den Deutschen Phantastik Preis 2010 fest. Unter den Nominierten finden sich natürlich auch bekannte Namen wie Frank Schätzing, Kai Meyer oder Markus Heitz.Von den nominierten Texten, kenne ich leider nur [t]Drood[/t] von [a]Dan Simmons[/a] (als Komplettlesung von Audible), das mich allerdings nicht so richtig überzeugen konnte. Daher an dieser Stelle keine Äußerung zu Favoriten oder eigenen Präferenzen, sondern einfach Glückwunsch an die Nominierten.
Etwas unübersichtliche Handlung in einer Welt, in der virtuelle und reale Welt verschwimmen.
Drei Personen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, versuchen aus unterschiedlichen Perspektiven einen Kriminalfall zu lösen, der eigentlich nicht zu lösen ist. Denn er hat nicht in der realen Welt stattgefunden, sondern in einer virtuellen Spielwelt, von der das heutige World of Warcraft ein entfernter Vorgänger sein könnte: Eine Horde Orks ist in eine Bank eingedrungen und hat eine große Menge Gold und eingelagerter Gegenstände gestohlen. Nun liegt es an einem Programmierer, einer Polizistin und einer forensischen Wirtschaftsprüferin, den Raub aufzuklären und herauszufinden, warum der wichtigste Programmierer des Unternehmens, das diese Bank betreibt, verschwunden ist. Im Laufe der Zeit stoßen sie auf den chinesischen Geheimdienst, werden von einem ferngesteuerten Taxi entführt und geraten in einen virtuellen Krieg zwischen den Großmächten.
Wie schon in Glasshouse beschäftigt sich Charles Stross in diesem Roman mit einer Zukunft, in der Entwicklungen unserer Gegenwart weiterentwickelt und zur Selbstverständlichkeit geworden sind. Diesmal sind es virtuelle Spiele, die die Welt immer mehr durchdringen. In ihnen haben sich komplexe Wirtschaftssysteme entwickelt, an denen unterschiedliche Unternehmen beteiligt sind. Wie sich schon heutzutage andeutet, spielen die virtuellen Spiele in Stross’ Zukunft auch wirtschaftlich eine gewaltige Rolle, sodass der virtuelle Bankraub nicht nur virtuelle Konsequenzen hat, sondern das Vertrauen in den Wirtschaftskreislauf der virtuellen Welt gefährden und damit ein zentrales Geschäftsmodell der Zukunft untergraben kann. Doch es geht um mehr als nur Geld, denn der Kampf der Großmächte um die weltweite Dominanz kann auch in der virtuellen Welt entschieden werden.
Halting State zeichnet sich in erster Linie durch die ungewöhnliche Perspektive aus, aus der Stross seine Geschichte schildert: So greift er den Stil der klassischen Text-Adventures auf und spricht den Leser direkt an – als wäre er die Hauptfigur. So steht beispielsweise am Anfang des ersten Kapitels der Satz: “You’re four hours into your shift” Nachdem man sich auf den ersten Seiten an diese Perspektive gewöhnt hat, wechselt Stross jedoch in jedem Kapitel zwischen den drei ermittelnden Hauptfiguren und zwingt den Leser dadurch, sich ständig mit einer neuen Figur zu identifizieren. Sorgt dieser Stil bei den eher kurzen Text-Adventure-Texten für viel Atmosphäre und kann den Leser in die Geschichte hineinziehen, wird er auf den 320 Seiten des Buches auf Dauer anstrengend.
Auch die Handlung ist Stross in meinen Augen ein wenig zu kompliziert und unübersichtlich geraten. Zwischen den ganzen virtuellen und realen Konflikten und Parteien ist mir irgendwann die Übersicht verloren gegangen, sodass ich auch die Auflösung des Rätsels nur teilweise nachvollziehen konnte. Wenn der Autor damit demonstrieren wollte, wir verwirrend die von ihm geschaffene Welt durch die Vermischung von Realität und virtueller Welt geworden ist, ist ihm dies eindrucksvoll gelungen, das Lesevergnügen wird dadurch jedoch leider deutlich getrübt. Mit seinen Ideen kann Stross jedoch wieder überzeugen. So konsequent wie er, können nur wenige heutige Entwicklungen weiterdenken und im Rahmen eines Buches schildern.
Auf der neuen Seite Bücher Challenges sammeln Steffi und Melli nicht nur Challenges, Stöckchen und Paraden zum Thema Bücher, sondern veranstalten auch selber welche. Zum Start gibt es gleich eine richtig große Challenge: In Der Geschichte auf der Spur stehen 12 Bücher aus 12 geschichtlichen Epochen auf dem Programm. Von der Frühzeit über das Mittelalter bis zur Zeitgeschichte ist alles dabei und darf ab Oktober gelesen werden. Ich werde mich auch daran beteiligen und euch auf dem Laufenden halten. Im August oder September wird es dann hier die Leseliste geben.
Unterhaltsame Schilderung der wichtigsten Experimente zu menschlicher Rationalität - allerdings ohne übergreifenden Rahmen.
Wir Menschen haben ein ziemlich positives Bild von uns selber: Wir glauben, dass wir wissen, was wir wollen, dass wir so Leben, wie es unseren Wünschen entspricht und das wir in der Lage sind, objektiv zwischen Vor- und Nachteilen unterschiedlicher Entscheidungsmöglichkeiten abzuwägen. Mit seinem Buch Denken hilft zwar, nützt aber nichts schickt sich Dan Ariely an, dieses Menschenbild zu erschüttern. Auf knapp 300 Seiten schildert er zahlreiche Mechanismen, die eben dafür sorgen, dass wir (objektiv gesehen) schlechte Entscheidungen treffen, uns von irrelevanten Kleinigkeiten beeinflussen lassen und ganz allgemein nicht sonderlich gut darin sind, unsere Entscheidungsmöglichkeiten einzuschätzen.
Dazu hat Ariely alle wichtigen Experimente, die zu diesem Thema in den letzten Jahren und Jahrzehnten durchgeführt worden sind, zusammengetragen. Er beschreibt sie locker und unterhaltsam und hat damit ein Sachbuch geschaffen, das sich entspannt und schnell durchlesen lässt. Leider macht Ariely in dem Buch nicht viel mehr, als eben diese Experimente locker und unterhaltsam darzustellen. So erfährt man als Leser zwar viel über unsere vorhersagbare Irrationalität, das Wissen bleibt aber irgendwie fragmentarisch und anekdotisch. Es fehlt ein übergeordneter Rahmen, mit dem der Autor diese Einzelerkenntnisse zusammenführen und strukturieren könnte. Und so fehlt für diejenigen, die sich schon etwas länger mit dem Thema beschäftigen, eine neue Idee oder kreative Herangehensweise.
Für alle, die sich in diesem Bereich nicht auskennen, bieten sich die folgenden Vorträge von Dan Ariely als Einstieg in dieses spannende Gebiet an: