Payback

(Blessing 2009, 240 Seiten, 978-3-89667-336-7)

Das gute Buch regt zum Nachdenken über das allgegenwärtige Netz an.

Das Buch des FAZ-Mitherausgebers hat in den letzten Wochen und Monaten für einigen Wirbel im Netz gesorgt (u.a. bei Carta, dem Spiegelfechter, Spiegel-Online und Sueddeutsche.de). Kein Wunder, setzt sich doch ein Verteidiger der “Holz-Presse” mit dem Internet auseinander und kommt zu Schlüssen, die sich für Internet-Euphoriker rückwärtsgewandt und ewig-gestrig anhören müssen: Das Internet überfordert den Menschen, ja es steuert ihn sogar. Wir seien mittlerweile vollkommen davon abhängig und ließen uns hetzen. Schirrmacher konstatiert sogar, die ständige Ablenkung und das Überangebot ließen unsere Konzentrationsfähigkeit und die Fähigkeit, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden verkümmern.

Egal, ob man Schirrmachers Argumenten zustimmt oder nicht, man kann ihm nicht vorwerfen, sie nicht plausibel und unterhaltsam darzulegen. Er bedient sich aus einer Vielzahl an Studien und stellt diese anschaulich dar, inwieweit diese Zusammenfassungen und Interpretationen den Quellen gerecht werden, kann ich jedoch nicht beurteilen. An einer Stelle lässt mich Schirrmacher jedoch daran zweifeln, dass er sich tatsächlich mit den zitierten Texten auseinandergesetzt hat: So zitiert er den Netzwerkforscher Barabási und die von ihm beschriebenen “Power Laws”, die er jedoch mit “Macht-Gesetzen” anstatt mit “Exponentialgesetzen” übersetzt und liefert damit eine lückenhafte Argumentation. Diese wäre bei korrekter Übersetzung wesentlich aufwändiger gewesen, bliebe aber gültig.

Insgesamt kann ich Payback dennoch jedem empfehlen, der sich mit den Auswirkungen des Internets auseinandersetzen möchte. Schirrmacher regt zum Nachdenken und hat in vielen Punkten in meinen Augen tatsächlich recht.

und
Die Online-Redaktion

(Springer 2010, 196 Seiten, 978-3-642-00719-4)

Ultra-kompakte Kurzeinführung in alles, was irgendwie mit Online-Journalismus zu tun hat.

Es klingt zu schön um wahr zu sein: Ein umfassendes Handbuch, das alle Themen umfasst, die für die journalistische Arbeit im Internet relevant sind. Und tatsächlich kann das vorliegende Buch dieses Versprechen auf seinen nur knapp 180 Seiten einhalten. Allerdings mit der Beschränkung, dass den Leser an vielen Stellen eine Informationsflut erwartet und am Ende trotzdem bei weitem nicht alle Fragen beantwortet sind. So jagen die Autoren von den unterschiedlichen Anforderungen an journalistische Texte im Netz und auf Papier über Untersuchungen über die Lesbarkeit von Schriftarten zur Beschreibung der Organisation eines IT-Projekts. Dabei schreiben sie sehr locker, unterhaltsam und gut verständlich und fassen den jeweiligen Inhalt prägnant zusammen.

Ich habe allerdings keine Ahnung, wer eigentlich die Zielgruppe dieser Universal-Einführung sein soll. Als Einstiegslektüre zum Thema erscheint sie mir zu knapp und setzt zu viel Wissen voraus. Für die Vertiefung einzelner Themengebiete eignet sie sich aufgrund der Kürze ebensowenig. Überzeugen kann sie jedoch als Ultra-Kurz-Einführung für jemanden wie mich: Ahnung vom Internet, Interesse am Journalismus aber keine unmittelbare Notwendigkeit, sich intensiv mit Online-Journalismus auseinanderzusetzen.

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Im Penhaligon-Verlag erscheint ab Ende des Monats ein Fantasy-Zyklus von dem französischen Autorenpaar Anne und Gérard Guéro unter dem Pseudonym Ange Guéro. Es geht um ein versklavtes Volk, das seine letzte Hoffnung in die junge Königin setzt, die die Inkarnation einer Göttin sein soll und laut einer Prophezeiung dem Volk die Freiheit zurückgeben wird.

Das klingt zwar nicht nach neuem oder fürchterlich innovativem Romanstoff, aber das muss ja nicht heißen, dass die Bücher nicht lesenswert werden können. Mal schauen, ob ich mir sie zu Gemüte führe. Die drei Bände Rune der Knechtschaft, Pakt der Könige und Volk der Verbannten erscheinen voraussichtlich im März, Mai und Juni dieses Jahres.

(Quelle: randomhouse.de)


Der Anwalt (The Associate)

(Arrow 2009, 485 Seiten, 978-0-09-953699-4)

Durch und durch gelungener Anwalts-Thriller.

Kyle McAvoy hat Jura studiert und steht kurz vor seinem Abschluss. Er will eigentlich nicht in einer großen Kanzlei anfangen, obwohl er ein entsprechendes Angebot hat, wird aber mit einem fast vergessenen Vorfall aus der Studienzeit erpresst, dieses Stellenangebot doch anzunehmen. Er soll in dieser Kanzlei spionieren und Informationen über einen großen Fall beschaffen, mit dem sein Arbeitgeber betraut ist.

Wer sich beim Klappentext auf Grishams früheres Werk “The Firm” erinnert fühlt, liegt damit gar nicht so falsch. Die Parallelen zwischen den beiden Romanen sind schon deutlich, ohne dass es jetzt jedoch langweilig würde: Grisham gelingt es, Ideen zu recyclen und daraus eine Geschichte zu schreiben, der es nicht an Spannung und
guten Ideen fehlt.

Eine durchgehende und glaubwürdige Handlung, ein paar (und nicht zu viele) überzeugende Hauptpersonen und der flüssige Schreibstil des Autors sind die Zutaten, die “The Associate” zu einem Anwalts-Roman in gewohnter Grisham-Qualität machen.


Kirinja (Kirinya)

, Teil 2

(Heyne 2000, 605 Seiten, 3-453-17091-1)

Spannende und tiefgründige Gedanken in einem Roman, dem ein wenig die Spannung und der rote Faden fehlen.

Das Buch stand schon lange in meinem Regal und irgendwie hat es mich lange nicht gereizt, aber nachdem ich an anderer Stelle eine Rezension über ein anderes Buch von Ian McDonald gehört habe, bin ich dann doch mal neugierig geworden. Ich habe es nicht bereut, auch wenn ich nicht nur Lobeshymnen über Kirinja singen kann. Das fängt damit an, dass es mir schwergefallen ist, in die Handlung zu finden. McDonald bietet zu Beginn keinerlei Hintergrundinformationen und alles bleibt irgendwie in der Handlung versteckt. Das könnte zwar daran liegen, dass Kirinja an sein Buch Chaga anschließt, erschwert den Einstieg jedoch nichtsdestotrotz erheblich.
Hat man sich jedoch einmal in der Welt der Zukunft zurechtgefunden, in der die Nordhalbkugel mit der Südhalbkugel in militärischem Konflikt liegt und in der die nanotechnologische Veränderung des menschlichen Körpers zum Normalfall geworden ist, erwartet den Leser die Lebensgeschichte zweier Frauen, die in das Zentrum des Konflikts zwischen Nord und Süd geraten und es dabei nicht versäumen, nach ihrem Glück zu suchen.
Die Welt, die McDonald in seinem Buch beschreibt wirkt nach der Eingewöhgnungszeit sehr plastisch und glaubwürdig. Auch die Geschichten, die er schildert, bleibt plausibel und besticht in erster Linie durch die gut ausgearbeiteten und tiefgründigen Charaktere. Dabei fehlt dem Buch jedoch ein wenig der rote Faden, die Handlung, an der sich der Leser orientieren kann, denn es bleibt lange Zeit unklar, worum es in dem Buch eigentlich geht.

Zum neuen historischen Roman von Titus Müller, Die Jesuitin von Lissabon, gibt es jetzt vom aufbau Verlag einen gut gemachten Trailer:

(Quelle)

(Via: titusmueller.de)

Bei The Bookseller bin ich über eine interessante Neuigkeit des bekannten Thrillerautors John Grisham gestolpert: Nachdem sich Grisham mit Die Farm oder Das Fest schon häufiger von seinen klassischen Gerichtsthrillern entfernt hat, hat er mit dem Verlag Hodder & Stoughton nun einen Vertrag über zwei Familienromane abgeschlossen, die sich in erster Linie an 9 bis 12-Jährige richten sollen.

Dabei kann er sein Leib und Magen Thema jedoch nicht verleugnen, denn die beiden zusammenhängenden Romane – eine weitere Premiere für Grisham – begleiten den 13-jährigen Theodore Boone, der unfreiwillig in die Gerichtverhandlung eines Mordes verwickelt wird.

Der erste Band ist auf Englisch für den 10. Juni dieses Jahres angekündigt, Teil zwei steht dann im nächsten Jahr auf dem Programm.

(Quelle: Hodder signs “family” series by Grisham)